Kanal-TÜV-Diskussion geht weiter

Blumenkamper Initiative freut sich über Zulauf. Landtagsabgeordneter Norbert Meesters (SPD)konnte die zweite Bürgerversammlung wie erwartet nicht überzeugen. Kommunalpolitiker bringen das Thema in den Wahlkampf.

Wesel..  Der Kanal-TÜV erhitzt weiter die Gemüter. Die der Eigenheimbesitzer, die im Wasserschutzgebiet gebaut oder gekauft haben, und die der Politiker, die, obschon die Dichtigkeitsprüfung ein Landesthema ist, sich mitten im Kommunalwahlkampf befinden und mit dem Unwillen der Bürger konfrontiert sehen.

Weitere Unterstützer

Rund 80 Menschen waren zur zweiten Veranstaltung der frisch gegründeten Blumenkamper Initiative „Alles dicht in Wesel“ in den Saal Pollmann gekommen, weil sie beim ersten Termin schlicht nicht mehr hinein gepasst hatten. Diesmal stand der SPD-Landtagsabgeordnete und umweltpolitische Sprecher seiner Fraktion, Norbert Meesters, Rede und Antwort. Er konnte - wenig überraschend - die Versammelten nicht von der Richtigkeit des Kanal-TÜV überzeugen. Er signalisierte Verständnis für den Unwillen der Bürger, machte ihnen aber keine Hoffnung darauf, dass die Landesregierung ihre Verordnung zurückziehen werde.

Die Bürgerinitiative hat nach zwei Versammlungen 100 Unterstützer-Unterschriften. Hermann Knipping bittet Eigentümer, deren Häuser älter als Baujahr 1965 sind, sich bei ihm zu melden (knipping@blumenkamp.info oder an die Adresse Am Rabenhufen 26).

Derweil bemühen sich auf kommunaler Ebene die Parteien, die Diskussion zu ihren Gunsten zu führen. Die SPD unterstütze „die Bevormundungsstrategie des Ministers Johannes Remmel“, schreibt Friedrich Eifert (FDP). Vor Ort diskutieren FDP und SPD, ob die Weseler Satzung nun ruht oder außer Kraft gesetzt wurde. Eifert wirft der Weseler SPD den Versuch der Schadensbegrenzung vor.

Aus Hamminkeln meldet sich Norbert Neß (CDU) zu Wort und greift seinerseits den Weseler SPD-Fraktionschef Ludger Hovest an. Es sei ein „durchsichtiges Ablenkungsmanöver“, dass Hovest die Landesregierung aufgefordert hat, eine bundeseinheitliche Regelung nach dem Wasserhaushaltsgesetz zu finden. Hovest könne sein berechtigtes Anliegen „am besten gleich eine Tür weiter bei seinem Weseler SPD-Kollegen Meesters loswerden.“ Ihn hält Neß „höchstpersönlich für die Belastungen durch die Zwangs-Kanalprüfung verantwortlich.“

Unter den Kommunalpolitikern ficht einzig Ulrich Gorris von den Grünen noch für die Dichtigkeitsprüfung. Er zitiert Studien des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen, nach denen Abwässer aus Siedlungsgebieten das Grundwasser gefährden. „Funktionstüchtige, dichte Kanäle sind Voraussetzung für den nachhaltigen Schutz des Grundwassers und der Trinkwasserressource“ heißt es da. Er nennt Waschmittel, Weichspüler, Bleichmittel, Spülmaschinenreiniger und anderes - Fäkalien seien eher unproblematisch.

Stil kritisiert

Gorris kritisiert den Stil der ersten Versammlung, bei der ihm das Rederecht entzogen worden war. Es sei ein „typischer Reflex auf Umweltanforderungen“, auf andere Umweltsünder zu verweisen. Gülle-Importe lehnten die Grünen ebenso ab wie Fracking. Gorris schlägt vor, die Hälfte der Kosten für die Dichtigkeitsprüfung über den Trinkwasserpreis von der Allgemeinheit tragen zu lassen - „nicht ausschließlich von denen, die das Pech haben, in einer Trinkwasserschutzzone zu leben“.

EURE FAVORITEN