Kanäle werden auf Dichtheit überprüft

Blick in das Innenleben des Hausanschlusses – viele Bürger wehren sich gegen die Prüfung.
Blick in das Innenleben des Hausanschlusses – viele Bürger wehren sich gegen die Prüfung.
Foto: WP
Die Hausanschlüsse in Blumenkamp sollen überprüft werden, doch noch immer weiß nicht jeder, was auf ihn zu kommt. Eine Bürgerinitiative hat bereits Klage eingereicht.

Wesel..  Vor wenigen Tagen haben Bürger aus Blumenkamp, deren Häuser sich in einer Wasserschutzzone befinden, Post von der Stadt Wesel erhalten. In dem Schreiben sollten alle Fragen zum Thema Dichtheitsprüfung der Kanalanschlüsse geklärt werden. Dass dies offensichtlich nicht gelungen ist, zeigte die Resonanz auf eine Einladung der Bürgerinitiative „Alles dicht in Wesel-Blumenkamp“.

Mehr als hundert Interessierte waren in die Gaststätte Pollmann gekommen, die meisten davon mit der Frage: Bin ich wirklich betroffen? Bis zum Jahr 2017 läuft das so genannte Monitoring, dabei handelt es sich um eine von der Landesregierung in Auftrag gegebene „Prüfung der Sinnhaftigkeit“ des Gesetzes. Für Hermann Knipping von der Bürgerinitiative steht die Antwort heute schon fest: „Wenn ein Landwirt auf der einen Seite der Straße seinen Kanal auf Dichtheit prüfen lassen muss und auf der anderen Straßenseite seine Gülle aufs Feld kippen darf, ist das für mich Unsinn.“

Mit seiner Ansicht ist der Blumenkamper längst nicht mehr allein. 80 Bürgerinitiativen gibt es mittlerweile in NRW, gemeinsam haben sie eine Klage eingereicht. Um den vermutlich langen Rechtsweg finanziell durchzuhalten, haben die Blumenkamper eine Sammelbüchse herum gehen lassen. Abgesehen vom Ausgang der Klage und des kostspieligen Monitorings empfiehlt Knipping den Immobilienbesitzern, nicht in Panik zu verfallen. „Ich kann nur jedem raten, die Füße still zu halten, spätestens nach der Landtagswahl 2017 wird das Gesetz gekippt.“ Dass die politischen Entscheidungsträger ihm diesen Gefallen tun werden, zeigt sich möglicherweise an der Haltung der Weseler Ratsherren. „Wir mussten diesen Brief verschicken, dazu sind wir gesetzlich verpflichtet. Aber wir haben uns sehr für Formulierungen eingesetzt, mit denen die Bürger leben können“, erklärte Volker Haubitz (CDU). Sein SPD-Ratskollege Helmut Trittmacher versicherte den Anwesenden: „Alle Ratsfraktionen mit Ausnahme der Grünen sind auf der Seite der Bürger.“

Die können die Notwendigkeit einer Dichtheitsprüfung ihrer Hausanschlüsse ohnehin nicht verstehen. „Die Stadtwerke haben darauf hingewiesen, dass die Wasserqualität in Blumenkamp trotz Gülleauftrag in Ordnung ist“, lautete ein Argument. Das allerdings gelte laut Knipping lediglich für das Grundwasser, im Oberflächenwasser mache sich die Gülledüngung bereits bemerkbar. Mit dem bis 2017 andauernden Prüfverfahren haben die Bürger erstmal Zeit gewonnen, mehr aber laut Ansicht von Volker Haubitz nicht: „Wir können erst jubeln, wenn das Gesetz vom Tisch ist. Bis dahin ist Ruhe angebracht. Sie brauchen nicht zu befürchten, dass 2016 die Polizei vor ihrer Tür steht, weil sie ihren Kanal nicht haben prüfen lassen.“

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