Kampf gegen Windmühlen

Dr. Horst Steinbring ist davon überzeugt, dass die neue Notdienstordnung nicht funktionieren kann.
Dr. Horst Steinbring ist davon überzeugt, dass die neue Notdienstordnung nicht funktionieren kann.
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Dr. Horst Steinbring, Arzt in Blumenkamp und Obmann der Ärzte des Notdienstbezirkes Wesel, wendet sich an die CDU, um die Notdienstordnung zu kippen.

Wesel..  Dr. Horst Steinbring, Arzt in Blumenkamp und Obmann der Ärzte des Notdienstbezirkes Wesel, lässt nicht locker. Die neue Notdienstordnung der Kassenärztlichen Vereinigung geht auf Kosten der Alten, der Kranken und der Landbevölkerung, davon ist er überzeugt. Per Brief hat sich der Mediziner an die CDU im Rat gewandt. „Da auf kommunaler Ebene diesbezüglich nichts entschieden und verändert werden kann, haben wir unsere Bundestagsabgeordnete Sabine Weiss um Hilfe gebeten“, sagt CDU-Fraktionschef Jürgen Linz. Weiss wiederum wandte sich mit dem Anliegen an Staatssekretär Karl-Josef Laumann.

Dr. Steinbring argumentiert, dass der Notdienst so, wie er jetzt organisiert ist, funktioniert – abgesehen von den Problemen mit der Telefonzentrale. „Genau diese Zentrale soll nun ca. 72 Notdienstpraxen koordinieren“, schreibt Steinbring. Das könne nicht funktionieren, denn die Zentrale bekomme es derzeit wegen Unterbesetzung schon nicht geregelt, den Betrieb zu bewältigen.

Große Entfernungen

Die Kassenärztliche Vereinigung argumentiere, dass Patienten von den Ambulanzen der Krankenhäuser in die Notdienstpraxen gelotst würden. „Das funktioniert nicht“, ist sich der Obmann der Ärzte des Notdienstbezirks Wesel sicher. Der Bezirk sei zu groß, die Wartezeit auf den Arzt zu lang. „Die Notdienstzentrale wird nach heutigen Erfahrungen im Schnitt zwei Stunden benötigen, um einen Arzt zu informieren, wenn überhaupt eine Verbindung hergestellt werden kann.“ Und die Facharztdienste seien für alte immobile Patienten und für sozial Schwache zu weit entfernt.

Die Folge wird sein, dass die Menschen gleich den Notdienst rufen, prophezeit Steinbring. Doch der ist für hausärztliche Einsätze nicht zuständig, kann keine Rezepte ausstellen und im Grunde hier nicht helfen – er kann lediglich Notfälle ins Krankenhaus bringen. Zusätzliches Ärgernis für die Ärzte: Sie sollen nicht mehr mit dem eigenen Auto fahren, sondern einen Chauffeur beispielsweise der Malteser oder des Roten Kreuzes beschäftigen. Bezahlen sollen das die niedergelassenen Ärzte, rund 100 Euro im Monat.

Staatssekretär Karl-Josef Laumann, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten sowie Bevollmächtigter für Pflege, sieht das anders. Er habe gute Erfahrungen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe gemacht. Der neu organisierte Ärztliche Bereitschaftsdienst habe sich „trotz einiger Anlaufschwierigkeiten inzwischen ganz gut eingespielt“. Man solle die geplante Veränderung nicht schon von vornherein schlecht reden, schreibt Laumann an Sabine Weiss.

Der Reform im Bezirk Nordrhein seien demographische Aspekte der Ärzteschaft zugrunde gelegt worden. „Etwa jeder vierte Hausarzt in Nordrhein ist aktuell über 60 Jahre alt.“ Die Dienstbelastung der Ärzte auf dem Lande sei hoch und für junge Ärzte ein Argument, sich nicht dort niederzulassen. Die Probleme mit der zentralen Anrufzentrale und den Wartezeiten müsse die KV-Nordrhein aber lösen, so Laumann.

Den Weseler Arzt Dr. Horst Steinbring überzeugt diese Argumentation nicht.

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