In der Grundschule wird „Wasser“ zu „Wassa“

Denise Ludwig
Foto: dpa
Heutzutage lernen die Kinder in der Grundschule die Rechtschreibung nach Gehör. So soll die Lust am Schreiben geweckt werden. Eine Weseler Mutter übt Kritik.

Wesel.  Juliane N.* stehen die Haare zu Berge, wenn sie sich die Rechtschreibung ihrer Tochter ansieht. Sie schreibt „Wassa“ statt Wasser. 55 Fehler hatte sie in einem Aufsatz – und damit war sie in ihrer dritten Klasse längst nicht die Spitzenreiterin.

Heutzutage lernen die Kinder in der Grundschule die Rechtschreibung nach Gehör. So soll die Lust am Schreiben geweckt werden. Doch Mutter Juliane hält von dieser Methode nichts. „Wir Mütter verzweifeln“, sagt die Weselerin.

Loben heißt das Zauberwort in den ersten beiden Schuljahren. „Die Kinder sollen in den ersten zwei Jahren nur positive Rückmeldung bekommen, was das Schreiben an sich überhaupt angeht“, sagt Juliane N. „Bloß im dritten Schuljahr ist es jetzt falsch – und nicht mehr nur ‘nicht ganz richtig’.“ Will sie ihre Tochter zu Hause bei den Hausaufgaben korrigieren, widerspricht ihr Kind mit dem Argument: „Der Lehrer sagt, das Wort sei gut geschrieben“. Die Mütter sorgen sich, dass die Umstellung auf die richtige Rechtschreibung, wie sie in Klasse drei dann anhand von Regeln erklärt wird, nicht schaffen. „Wie soll das Kind denn lernen, wenn es mit richtig schwierigen Wörtern konfrontiert wird, wenn es selbst die einfachen Grundregeln nicht beherrscht?“, fragt sich Juliane N.

„Immer eine individuelle Sache“

Dr. Heinzgerd Schott, Schulleiter des Konrad-Duden-Gymnasiums, kann nicht bestätigen, dass die Schüler in den letzten Jahren eine schlechtere Rechtschreibung an den Tag legten. „Eine Rechtschreib-Schwäche ist immer eine individuelle Sache, egal, mit welcher Methode man sie lernt“, meint er. Diese Methode - Schreiben nach Gehör - helfe Kindern dabei, möglichst schnell Gedanken in Schriftform zu bringen. Das motiviere die Schüler.

Was aber, wenn ein Kind undeutlich spricht, zum Beispiel weil es aus einem anderen Land oder Bundesland hergezogen ist? Kindern mit einer deutlichen Aussprache fiele die Rechtschreibung in der Regel leichter, meint Heike Romanski, Leiterin der Blumenkamper Grundschule. Kinder, die Probleme haben, erhielten spezielle Förderungen.

Dass falsch geschriebene Wörter der Schüler aber so gar nicht korrigiert werden, will die Schulleiterin nicht stehen lassen. „Wörter, die im Unterricht bereits erlernt worden sind, werden verbessert.“ Allerdings nicht in freien Texten wie Aufsätzen, sondern in gelernten Texten. „Sonst würde man die Schreibfreude hemmen“, begründet Romanski. Auch in der Innenstadt-Grundschule schreiben die Lehrer in der Regel die richtigen Wörter unter den Text, schildert Leiterin Astrid Wahl-Weber. Ob die Rechtschreibung der Kinder durch diese Methodik nun besser oder schlechter geworden ist, können die Schulleiterinnen nicht sagen. „Man versucht eben, den Individualitäten der Kinder gerecht zu werden“, sagt Wahl-Weber.

(*Name von der Red. geändert)