In Bislich wird altes Handwerk neu herausgeputzt

So sieht es drinnen aus: Peter von Bein, Franz Schweers und Heinz Kubasch (von links) zwischen dem Bereich des Schmiedefeuers und der Fensterfront.
So sieht es drinnen aus: Peter von Bein, Franz Schweers und Heinz Kubasch (von links) zwischen dem Bereich des Schmiedefeuers und der Fensterfront.
Foto: WAZ FotoPool
Lange wurde darüber gesprochen und geplant, am Sonntag ist es soweit. Dann öffnet die alte Schmiede Kock am Marwick zum ersten Mal ihre Tür für die Öffentlichkeit. Nach dem Festakt um 11 Uhr demonstrieren zwei Schmiede ihre Handwerkskunst.

Wesel..  Es ist ein kleines Schmuckstück, das direkt an der Fahrrad­route steht: Das Backsteinhaus mit dem schmiedeeisernen Pferd auf dem Dach fällt vielen auf, die am Marwick in Bislich vorbeiradeln. Am kommenden Sonntag, dem Museumstag 2014, darf hier auch gestoppt und ein Blick hinter die dicken Mauern geworfen werden (siehe Box). Denn dann wird die sanierte Schmiede Kock offiziell eingeweiht.

20 ehrenamtliche Helfer

Das Gebäude hat eine lange Geschichte, wie Peter von Bein vom Heimatmuseum Bislich herausgefunden hat. Bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert gab es hier die Schmiede, seit 1812 war sie in der Hand der Familie Kock und das bis Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Es handelte sich um eine Huf- und Wagenschmiede, erläutert Franz Schweers. Der 77 Jahre alte Bislicher ist Bauingenieur und Architekt und hat das Vorhaben baulich begleitet. Heinz Kubasch (78), der als Schmied und Schlosser bei der Weseler Firma Hülskens gearbeitet hat, packte handwerklich an vielen Stellen zu, so bei der Halterung für die original Fensterläden.

Insgesamt waren es um die 20 ehrenamtliche Helfer aus Bislich, die für das neue touristische Angebot gesorgt haben. Denn bevor es losgehen konnte, musste erst einmal ordentlich aufgeräumt werden. „Das war wie in einer Rumpelkammer“, erinnert sich Schweers.

Unter Denkmalschutz

Das Dach wurde nach altem Muster neu gedeckt, die Fugen sind nun ausgekratzt und neu verfugt, und, und, und... Jetzt steht das Häuschen mit seinem Innenleben von 4,5 mal 6,5 Quadratmeter unter Denkmalschutz, wie eine Plakette zeigt. Die Geräte einschließlich der Feuerstelle sind allesamt nutzbar, was Kubasch und der Weseler Schmied Bernd Buschmann am Sonntag demonstrieren werden. Die Schmiedekohle dafür liegt schon bereit. Neben dem Eingang wird dann auch eine Informationstafel hängen, damit Passanten wissen, welches Kleinod hier zu finden ist.

Unter dem Titel „Schmiedehandwerk in Bislich - ein historischer Überblick anlässlich der restaurierten Schmiede der Familie Kock in Bislich-Marwick als Außenstelle des Museums Bislich“ hat Peter von Bein ein knapp 90-seitiges Heft herausgebracht. Es beschäftigt sich mit mehreren Schmiedefamilien im Dorf. Davon gab es einst einige. Nicht nur die Pferde wurden von ihnen beschlagen, wovon in der Schmiede Kock mehrere rostige Hufeisen zeugen, sondern auch Pflüge, Sensen, Eggen, ja selbst Spaten mussten immer wieder mal repariert werden. Das Material aus dem sie waren, war damals wertvoll und teuer, so dass der Schmied immer wieder mal aktiv werden musste - und sei es, um aus einem Hufeisen etwas ganz anderes zu formen. All dies lässt sich in dem Werk nachlesen, das für sieben Euro im Heimatmuseum zu haben ist.

Dort sind passend zur Eröffnung Waagen und Gewichte aus der Sammlung Dirk Schmitz zu sehen. Sie wurden von Schmieden produziert. Im Frühjahr 2015 soll mehr davon gezeigt werden, heißt es.

 
 

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