Hilfe aus Schermbeck für Sierra Leone

Petra Kuiper
Gleich nach der Eröffnung der Bäckerei wurden die ersten Brote gebacken. Gudrun Gerwien freut sich mit den Menschen in Lungi.
Gleich nach der Eröffnung der Bäckerei wurden die ersten Brote gebacken. Gudrun Gerwien freut sich mit den Menschen in Lungi.
Foto: PR
  • Gagu-Zwergenhilfe eröffnete neben dem Kinderhaus eine Bäckerei und eine Näherei
  • Pro Tag werden 500 Brote gebacken. Außerdem können junge Leute hier eine Ausbildung machen
  • Ebola-Waisen werden in die Gemeinschaft integriert: Wer ein Kind aufnimmt, erhält ein Haus

Schermbeck.  Es war ein schöner Aufenthalt, aber auch ein schwerer. Wenn man mit Gudrun Gerwien über ihre Reise nach Sierra Leone spricht, merkt man, wie sehr sie der Besuch berührt hat. Im September waren die Vorsitzende der Gagu-Zwergenhilfe und ihre Vereinskollegen Dieter Schmitt und Johannes Nover in Lungi. Zwei Wochen haben sie dort verbracht. „Wir sind gut vorangekommen“, zieht Gudrun Gerwien Bilanz.

Hilfe zur Selbsthilfe

Das betrifft zunächst die offiziellen Eröffnungen der Näherei und der Bäckerei am Kinderhaus Home of Hope. Nach ihrer Ankunft wurden die Gäste stürmisch begrüßt. Gerwien berichtet, dass gleich das erste Brot gebacken wurde. Bis zu 500 täglich sollen es künftig sein - was nicht verkauft wird, soll hungernden Menschen zugute kommen. Außerdem hilft der kleine Betrieb mit seinen zwei Öfen aber noch auf andere Weise. Hier werden junge Leute ausgebildet, die nicht zur Schule gegangen sind. Sechs bis acht Monate dauert die Lehrzeit, danach haben sie Chance, auf eigenen Füßen stehen zu können.

Ebenso groß ist die Freude über die neue Näherei mit ihren 15 Maschinen. Ebenfalls ein Ausbildungsort. Hier entstanden gleich erste Schuluniformen für Kinder. „Das ist Hilfe zur Selbsthilfe“, betont Gerwien. „Wir haben mit Spendengeldern eine nachhaltige Perspektive geschaffen.“ Zwischen 35 000 und 40 000 Euro sind in die aktuellen Projekte geflossen. „Die Materialkosten“, weiß Gerwien, „sind nach Ebola explodiert.“

Bereits vor der Krankheits-Welle hatte Gagu der Schule in Lungi zugesichert, bei einer Erweiterung zu helfen. Auch diese Pläne gewannen Gestalt. Gagu stellte das Material bereit, jetzt werden Eltern unter Anleitung einer Fachkraft in einfachster Bauweise zwei neue Räume schaffen. Und auch das Projekt für die Ebola-Waisen geht voran. Ursprünglich hatte die Zwergenhilfe vor, ein Dorf mit zehn Häusern für die Kinder zu errichten. Davon ist man mittlerweile ab, um die kleinen Menschen nicht noch weiter auszugrenzen. Nun werden sie bewusst in die Dorfgemeinschaft integriert: Jeder, der ein Kind aufnimmt, bekommt ein Haus gestellt und kann darin wohnen. Auch hier werden neue Bauten von den Familien hochgezogen.

Traurige Erlebnisse

Bei ihrer Ankunft sei ihnen das ganze Dorf entgegen gekommen und es gab ein großes Fest, erzählt Gerwien. Die Bewohner sagten ihnen, sie seien die ersten Weißen, mit denen sie getanzt hätten. Sie werten es als ein Zeichen von Gott, dass die Hilfsprojekte starten.

Aber es gab auch traurige Erlebnisse. Auch diese schildert Gerwien, weil sie zeigen, wie grausam das Leben in Armut ist. Drei Todesfälle ereigneten sich. Der zweijährige Sohn eines Mitarbeiters starb. Die Hausmutter des Home of Hope verlor innerhalb von 14 Tagen zwei Schwestern. „Das belastet einen“, sagt Gerwien, „das steckt man nicht weg.“ Außerdem berichtet sie von einer 90-jährigen Frau, die wegen eines Sterbefall ohne Familie da steht. Für sie sucht Gagu jetzt außer der Reihe eine Patin oder einen Paten, „vielleicht einen Verein oder eine Damenrunde“. 25 Euro kostet die Patenschaft pro Monat. Das reicht für das Nötigste, etwa für eine Mahlzeit pro Tag. „Mit dem Geld wurde schon manchem Kind das Leben gerettet.“ Für einen Euro kann man in Sierra Leone bereits impfen oder Antibiotika kaufen.

Am Ende berichtet Gerwien noch von einem Erlebnis aus Schermbeck. Zu Gagu kam ein Mann, der in Sierra Leone helfen will. Er stammt selbst aus Afrika und konnte dank einer Patenschaft die Schule absolvieren. Jetzt besucht er die Uni und macht bald seinen Master. Darüber hat sich Gerwien sehr gefreut.

Seit 2008 engagiert sie sich mit der Zwergenhilfe in Sierra Leone. „Wir können die Welt nicht retten“, sagt sie. „Aber wir können dazu beitragen, was uns möglich ist. Wenn man nicht anfängt, ändert sich nichts.“ Dabei müsse man bei den Kindern beginnen, „damit sie Verantwortung für ihr Land übernehmen.“

Wer sich über Spenden oder eine Patenschaft informieren möchte: 02853 /91 24 35.