Hier gibt’s für die Störche was zu holen

Foto: gerd hermann
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Foto: Gerd Hermann / WAZ FotoPool

Hamminkeln.. Das Anrücken des roten Hubwagens und des Kamera-Teams verhieß Ungewohntes. Der Altvogel flog aus dem Nest, um in einiger Entfernung das Spektakel um seinen Nachwuchs zu beobachten.

So nahe wie gestern kommen Menschen dem Storchenpaar und seinen drei Jungtieren nämlich nicht. Diese Ausnahme im Naturschutzgebiet Dingdener Heide hatte seinen Grund: Die gut vier Wochen alten Weißstörche wurden beringt, um zukünftig ihre Wege verfolgen zu können.

Das Kennzeichnen mit einem schwarzen Kunststoffring Aufgabe übernahm Michael Jöbges, der ehrenamtlich für die Vogelwarte Helgoland tätig ist und seit 20 Jahren Störche beringt. Deshalb kann der Experte die Qualität des Gebietes bestens beurteilen. „Das ist ideal hier“, versicherte er und lobte die gute Koordination zwischen Hans Glader von der Biologischen Station und den beteiligten Landwirten. Da funktioniere es eben, in einem solchen Gebiet eine Nistplattform aufzustellen. „Dort, wo die Lebensbedingungen passen, kommen auch die Störche. Bei einer intensiven Maislandschaft ist für die Störche nichts zu holen“, wies der 52-Jährige auf die erforderlichen Nahrungsquellen hin.

Gut 500 Störche hat Michael Jöbges im Verlauf der Jahre schon gekennzeichnet und zufrieden zur Kenntnis genommen, dass die Zahl der Tiere steigt. „1948 waren Störche am Niederrhein ausgestorben“, erzählte er. 1991 waren es gerade einmal drei Brutpaare, die in Nordrhein-Westfalen gesichtet wurden. Doch schon im vergangenen Jahr war die Zahl auf 60 Paare gestiegen.

Damit die Vogel- und Naturschützer mehr über die Gewohnheiten der Weißstörche erfahren, erhalten die Jungtiere diese schwarzen Ringe. „Die Kennzeichnung geht ganz schnell“, beruhigte Jöbges. „Die Tiere legen sich ganz flach hin und verfallen in eine Schockstarre, die wir als Akinese bezeichnen.“ Doch sobald der Experte seine Arbeit beendet und sich wieder vom Nest entfernt hat und die Altvögel zurückkehren, sind die Jungtiere sofort wieder munter. Das war gestern nicht in der Dingdener Heide zu beobachten, sondern zwei Stunden später auch in Bislich, als der dortige Storchennachwuchs an die Reihe kam.

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