Hier gibt’s den Gabelstapler-Führerschein

In der Werkstatt der Firma bringen Steffen Gräser und seine Kollegen Gabelstapler auf Vordermann.
In der Werkstatt der Firma bringen Steffen Gräser und seine Kollegen Gabelstapler auf Vordermann.
Foto: WAZ FotoPool
Die Firma KSM am Schornacker verkauft und verleiht die rollenden kräftigen Heber. Und sie trainiert Fahrer im richtigen Umgang damit.

Wesel..  Einen Gabelstapler fahren? Macht Spaß und ist ein Kinderspiel. Meint man. Aber so einfach ist das nicht. Die Dinger sind zwar fast überall im Einsatz, wo es was zu heben und zu lagern gibt, doch was sie und ihre Fahrer können oder lieber lassen sollten, lernt man besser, bevor erst ein Regal umgefahren wurde. Das kann man am Schornacker, wo die Firma KSM nicht nur Gabelstapler verkauft und verleiht, sondern auch Trainings anbietet.

Vor 16 Jahren ist Udo Mösch von Oberhausen nach Wesel gewechselt. Kaufmann hatte er gelernt und zudem Radio- und Fernsehtechniker, hatte sich dann in der neuen Branche selbstständig gemacht und im Weseler Gewerbegebiet nahe der Autobahn günstige Voraussetzungen vorgefunden, seine Firma anzusiedeln. Sein Team ist seither auf elf Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen angewachsen. Steffen Gräser, Kfz-Mechaniker und Meister, steht dem 64-Jährigen, der täglich zwischen Wesel und Oberhausen pendelt, als Organisator des Tagesgeschäftes zur Seite. Gabelstapler verschiedenster Fabrikate verkaufen sie. Seit einiger Zeit auch welche aus China. „Die haben die Qualität erheblich verbessert“, sagt Udo Mösch. Das gelte für die Ware wie für die Kunden-Betreuung.

Früher hießen sie „Eisenschweine“

Früher nannte man sie „Eisenschweine“, und wenn man so manchen Gabelstapler betrachtet, ist augenscheinlich, dass er sich ordentlich durchwühlt. Die modernen Fahrzeuge sind indes technologisch so weiterentwickelt, dass sie per Fingertipp bedient und millimetergenau gesteuert werden können.

Rund 40 Prozent der Stapler, die etwa bei Speditionen, im Lebensmittel- oder Getränkehandel Paletten wuchten, werden per Dieselmotor angetrieben, sagt Mösch, je 30 Prozent per Gas oder elektrisch. Zwischen einer und 50 bis 60 Tonnen kann so ein Gerät bewegen, das selbst ungefähr das Doppelte der Nutzlast wiegt und mit verschiedenen Anbaugeräten versehen werden kann - mit einer Schaufel etwa oder auch mit einem Korb, der als Arbeitsbühne dient.

Zwischen 12 000 und 30 000 Euro müsse man für einen neuen Gabelstapler ausgeben, so der KSM-Chef. Das Mieten ist eine Alternative, zumal wenn es um Auftragsspitzen oder auch Inventur-Aktivitäten geht. Etwa 50 Gabelstapler hat die Firma längerfristig, weitere 15 bis 20 kurzfristig vermietet.

Mindestalter 18 Jahre

Der Service macht bei KSM 70 Prozent des Umsatzes aus. Gabelstapler müssen regelmäßig gewartet werden - Abgasuntersuchungen inklusive. Bei Defekten erfolgen schnelle Reparaturen am Einsatzort. Und auch die äußerlichen „Kampfspuren“ beseitigt das Team am Schornacker.

Bei aller modernen Technik hat ein Gabelstapler seine Eigenarten. Etwa die, dass er, anders als beim Auto, über die Vorderachse angetrieben und über die Hinterachse gelenkt wird. „Leider gibt es keine klaren gesetzlichen Vorgaben“, sagt Udo Mösch zum Thema Fahrerausbildung. Seine Firma bietet eine solche über zwei Tage an - mit theoretischem und praktischem Teil, wobei Letzterer meist am Anwendungsort stattfindet. Ein TÜV- und Dekra-erfahrener externer Schulungsleiter macht auch mit Sicherheitsaspekten vertraut und gibt viele Tipps aus der praktischen Erfahrung. Die nach einer abschließenden Prüfung erfolgende Beurkundung ist bei Bewerbungen von Nutzen und spielt nicht zuletzt eine Rolle, wenn im Falle eines Unfalls die Berufsgenossenschaft eingeschaltet wird. Sie achtet darauf, dass Gabelstaplerfahrer, wie vorgeschrieben, mindestens 18 Jahre alt sind und die „Unfallverhütungsvorschrift für Flurförderzeuge“ eingehalten wird.

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