Herzlichen willkommen in Bislich

Adebar kann samt Gattin einfliegen. Am Drögenkamp gibt’s ein neues Nest. Foto: Markus Weißenfels
Adebar kann samt Gattin einfliegen. Am Drögenkamp gibt’s ein neues Nest. Foto: Markus Weißenfels
Foto: WAZ FotoPool
Das Dorf am Deich wirbt um weitere Weißstörche. Nach dem Erfolg 2011 soll es 2012 weitergehen, findet nicht nur der Heimatverein.

Wesel.. Im Frühjahr 2011 waren sie die Attraktion in Bislich schlechthin: die drei Jungstörche im Nest hoch oben nahe der Kirchenwoy. Die Bislicher Schulkinder beobachteten ganz genau, wie sich der Nachwuchs in der Obhut seiner Eltern entwickelte, zum Teil auch mit dem Fernglas. Denn sie waren es schließlich, die für die Nisthilfe am Deich gesorgt hatten. Der Heimatverein Bislich will nun mehr und ist gestern zusammen mit der Weseler Auskiesungsfirma Hülskens bei klirrender Kälte aktiv geworden, damit sich vielleicht schon im Frühling weitere Storchenpaare im Dorf am Deich niederlassen.

Am Drögenkamp wurde eine neue Nisthilfe aufgestellt. Mitarbeiter von Hülskens brachten sie in Position, wobei der Nistkorb, eine Flechtarbeit aus Weide, von Mitgliedern des Jagdbezirks Bislich stammt. Der stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins, Kornel Schmitz, kann demnächst alles von seinem Haus aus beobachten und kündigt an - bei Erfolg - eine Kamera anzubringen, die dann die Bilder ins Internet überträgt. Doch noch ist es nicht so weit, schließlich gibt es ja mehrere Nistangebote im Dorf. Eines ist im Bereich des Forellenhofs Bienen-Scholt, ein weiteres an der Runden Woy gleich gegenüber auf der anderen Seite des Deichs im Rheinvorland. Diese beiden Nisthilfen erhielten gestern einen neuen Korb, ebenfalls von den Jägern geflochten.

Ideale Bedingungen für Meister Adebar

Dass die Bislicher in Sachen Storchenzuwachs so optimistisch sind, haben sie auch der positiven Prognose eines Fachmanns zu verdanken. Hans Glader von der Biologischen Station am Freybergweg in Wesel, der die Flugversuche der Bislicher Störche selbst beobachtet und dokumentiert hat, weiß nämlich sicher, dass hier ideales Storchenland ist. Die vielen Baggerseen, der Rhein und zahlreiche Biotope, nicht zuletzt wohl auch die Nähe der Bislicher Insel auf der linken Rheinseite, tragen dazu bei.

Im Dezember wurde das Storchenpaar von der Kirchenwoy übrigens noch gesichtet. Und auch während des recht milden Januars konnten die beiden an dieser Stelle entdeckt werden, weil sie offenbar zu den so genannten Winterstörchen gehören, die nicht Richtung Süden ziehen. Es sei denn, es wird so kalt wie momentan, dann könnten sie ihrem ursprünglichen Drang nachgeben und in wärmere Gefilde fliegen.

Beispiel Rühstädt: 1996 mit 44 Paaren ausgezeichnet

Die Stiftung Europäisches Naturerbe vergibt in unregelmäßigen Abständen den Titel „Europäisches Storchendorf“. Vielleicht kann sich Bislich ja darum bemühen, wenn die Anzahl der Störche tatsächlich weiter wächst. Doch da muss schon viel passieren, wie das Beispiel Rühstädt zeigt. Rühstädt liegt im Biosphärenreservat „Flusslandschaft Elbe Brandenburg“ und war 1996 Europäisches Storchendorf. Im vergangenen Jahr wurden dort sage und schreibe 34 Storchenpaare und 62 Junge gezählt. 1996 waren es gar 44 Paare.

 
 

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