Hanf-Plantage in einer Schonung

Schermbeck.  Mit ein paar Joints fing es vor vier Jahren an. Danach griffen die vier Schermbecker immer wieder zu Drogen, zu Marihuana. Weil die Kosten ihrer Sucht stiegen, überlegten sie, selbst Hanf anzubauen. Noch vor der Ernte wurden sie erwischt. Jetzt standen sie vor Gericht.

Im Internet hatte sich das Quartett informiert, was es benötigte. Den Samen für die Pflanzen besorgten sich die Vier im Frühjahr 2011 in den Niederlanden. Im Hünxer Wald fanden sie ein abgelegenes Plätzchen. In einer Schonung errichteten sie ihre Plantage. Für die Bewässerung bauten sie einen kleinen Teich, um Regenwasser aufzufangen.

Durch Zufall flogen die heute 19- bis 21-Jährigen im September vergangenes Jahres auf, als ein Förster den Zaun der Schonung kontrollierte. Von den 45 gezogenen Pflanzen waren da 33 erntereif. Rund 2,7 Kilogramm Marihuana hätte das Quartett gewonnen. Wegen des Erwerbs, der Einfuhr und des Anbaus von Drogen musste es sich vor dem Schöffengericht verantworten.

Drogensumpf drohte

Dass sie die Kosten minimieren wollten, nehme er ihnen ab, so der Staatsanwalt. Auch dass das angebaute Marihuana allein für den Eigenbedarf vorgesehen war. Aber wären sie nicht erwischt worden, hätten alle vier weitergemacht, Drogen konsumiert, weiter die Plantage betrieben. Und vielleicht wären sie im Drogensumpf versunken, denn meist fingen solche „Karrieren“ mit Marihuana an - und endeten oft auf dem Tisch der Gerichtsmedizin. Mit solch deutlichen Worten machte der Vertreter der Anklage deutlich, dass die Situation auch eine Chance für die jungen Männer sei.

Sie kennen sich aus der Grundschule, haben stets viel Zeit miteinander verbracht. Dann wurde der erste Joint geraucht. Das wiederholte sich, wie einer von ihnen gestern berichtete. Immer mehr Drogen konsumierten sie, die Kosten stiegen. Dann seien sie darauf gekommen, selbst Hanf anzupflanzen.

Heilsamer Schock

Das Auffliegen und die anschließenden Ermittlungen der Polizei samt Hausdurchsuchung waren offenbar ein heilsamer Schock. Seither sind sie nicht mehr aufgefallen, neue Straftaten sind nicht hinzu gekommen. Regelmäßige Tests belegen, dass sie keine Drogen mehr konsumieren. Wie die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe erklärte, hätten die Vier in dem Jahr des Wartens auf die Gerichtsverhandlung eine Menge kapiert.

So sah es auch der Staatsanwalt und forderte als Urteil eine Verwarnung und eine Geldbuße. Er schlug vor, die Vier sollten jeweils ein Monatsgehalt an die Drogenberatung in Wesel überweisen. Das Gericht machte daraus je 500 Euro und verwarnte die vier jungen Männer.

 
 

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