Glück für zwei Euro

Julia Müller

Schermbeck.  Schafft er es oder schafft er es nicht? Der Bürgermeister macht es spannend und zuckt mit den Schultern. Das Lächeln auf den Lippen verrät allerdings eine gewisse Siegessicherheit. Dennoch: „Ich sage noch nicht, wie viel ich schon habe.“ Es geht um Geld, viel Geld. 50 000 Euro muss Mike Rexforth bis zum 10. Dezember für das Hilfsprojekt der GAGU-Zwergenhilfe in Sierra Leone aufbringen. Zur Erinnerung: Vor einem Jahr hatte Rexforth gewettet, dass er genau so viel für den guten Zweck zusammenbekommt.

Eine Karikatur von Udo Lindenberg

„Ich hab’s geahnt, dass unser Bürgermeister ein Fuchs ist. Heimlich, still und leise pirscht er sich an sein Ziel heran.“ Mit einem Augenzwinkern kommentierte Gudrun Gerwien von der GAGU-Zwergenhilfe gestern das neue Projekt, mit dem Mike Rexforth nicht nur das fehlende Geld aufbringen will, sondern im besten Fall noch eine Schippe drauflegen möchte. Es wird eine große Weihnachtsverlosung geben. Gemeinsam mit der Werbegemeinschaft ist der Bürgermeister in den vergangenen Wochen auf Sponsorensuche gegangen. Mit Erfolg. „Ich kann jetzt schon verraten, dass wir bereits Preise im Wert von 10 000 Euro sicher haben.“

Eine hochwertige Angelegenheit soll die Verlosung werden, das ist allen Beteiligten wichtig. „Es gibt keine Kugelschreiber zu gewinnen.“ Stattdessen können die Glückspilze unter den Teilnehmern die blauen Losabschnitte am Ende gegen zum Teil sehr besondere Preise einlösen. Eine Gitarre mit Autogramm von Herbert Grönemeyer zum Beispiel. Und eine, auf die Udo Lindenberg neben seinen Namen eigens für das Hilfsprojekt noch eine Karikatur gemalt hat. Acht Gewinner dürfen sich außerdem auf eine Grubenfahrt freuen, verschiedene Firmen stiften Preise wie Tablets oder E-Book-Reader, der Wassersportverein gibt zwei Jahresgutscheine für das Schwimmbad und es wird Reise- und Einkaufsgutscheine geben.

Und das ist erst der Anfang. Bis zum Finale bei der „Schönen alten Weihnachtszeit“ am 10. Dezember wollen Wolfgang Lensing von der Werbegemeinschaft und Mike Rexforth noch weiter Klinken putzen. Sie hoffen auf insgesamt um die 100 Preise. Die Lose wird es ab Samstagabend geben, wenn die GAGU-Zwergenhilfe im Ramirez ihren zehnten Geburtstag feiert. Anschließend werden sie in den Geschäften der Werbegemeinschaft, im Rathaus und im Büro der GAGU zu haben sein. Der Preis von zwei Euro geht komplett an das Hilfsprojekt in Sierra Leone. „Vielleicht haben ja auch Firmen Lust, ihren Mitarbeitern Lose zu schenken oder die Geschäftsleute belohnen damit treue Kunden“, wirbt Mike Rexforth für den Verkauf der insgesamt 20 000 Glückszettelchen.

Unterstützt wird mit dem Geld die Hilfe zur Selbsthilfe in dem afrikanischen Land. Dabei geht es vor allem um die Zukunft der vielen Kinder, die durch die Ebola-Welle ihre Eltern verloren haben. „Wenn die Not dort nicht gelindert wird, werden sich die Menschen auf die Socken machen“, beschreibt Schermbecks Bürgermeister seine Sorge vor einem weiteren Flüchtlingsstrom. Aber er betont auch, dass er nicht nur das Elend in fremden Ländern sieht. „Ich weiß auch, dass wir hier vor Ort genügend Projekte haben, für die wir Geld brauchen.“

So lässt sich Geld verdoppeln

Mike Rexforth hat eine Vision: „Ich würde die Verlosung gerne zur Dauereinrichtung machen.“ Eine Art „Sozial-Lotterie“ jedes Jahr zur Weihnachtszeit hat er vor Augen. Das Geld könnte in den Bürgerfonds fließen, für den es im vergangenen Jahr von der Politik grünes Licht gab. „Für jeden Euro, den wir einzahlen, gibt es vom Land einen dazu.“ Somit könnte das Geld verdoppelt werden und nicht nur in Projekte für Bedürftige fließen, sondern auch in das Stadtumbaugebiet im Ortskern – in Investitionen wie Bänke, Begegnungsstätten oder ganz banal in Hundetüten.

Doch all das ist noch Zukunftsmusik. Erst muss der Bürgermeister zu seinem Wort stehen und die Wette einlösen. Vier Wochen Zeit hat er noch ...