Gelebte Gastfreundlichkeit

Wesel..  Auf jeden Fall gehören Tugenden wie Gastlichkeit und das Schutz-Bieten schon seit vielen Jahrhunderten zur heutigen Kreisstadt am Rhein. Warum die Hansestadt den Titel „Vesalia hospitalis“, was soviel wie „gastliches Wesel“ bedeutet, trägt, das konnte man am Mittwochabend im Centrum an der Ritterstraße erfahren. Die Historische Vereinigung Wesel hatte wieder einmal zu einem Vortrag eingeladen und als Redner Dr. Veit Veltzke (Leiter des Preußen-Museums) ausgesucht.

Hermann Knüfer, der Vorsitzende der Historischen Vereinigung, leitete kurz in den Abend ein, wobei eine kurze Vorstellung des Redners durchaus sinnvoll gewesen wäre, denn nicht alle Gäste kannten Dr. Veltzke.

Überaus detailreich erzählte der Referent dann von Begebenheiten zum Thema „Gastlichkeit“. Manchmal aber auch von „Ungastlichkeit“, die sich im 15. und 16. Jahrhundert in Wesel zugetragen habe. Anhand der vielfältigen Aspekte, die zu verstehen und zu begreifen waren, konnte besonders der geübte und mit Weseler Geschichte bereits vertraute Gast nachspüren, wie damals die Weseler Bürger, je nach politischer bzw. religiöser Situation, gastfreundlich aber auch weniger gastfreundlich auftraten. So tauchten im Vortrag natürlich auch die zwei berühmten Prunkpokale – die heute ein wichtiger Teil der Weseler Stadtidentität sind – auf. 1578 wurden die Pokale an die Honoratioren mit diesem Dank übergeben: „Ihr Weseler habt eure Häuser für uns Flüchtlinge geöffnet und uns die Erlaubnis gegeben Handel zu treiben!“ Die historischen Flüchtlingsströme kamen seinerzeit in drei Wellen, beschrieb Veltzke die Situation. Die Flüchtlingszahlen damals hätten sich in den Größenordnungen von 3000 bis 5000 Menschen bewegt, so der Redner weiter.

1545 kamen erste niederländische Zuwanderer in Wesel an. Oft waren diese Gäste bzw. Flüchtlinge Tuchmacher, die auch Seide produziert haben, und so für den Handel wichtige Impulse gegeben hätten, die zu wirtschaftlichen Vorteilen für Wesel avancierten. Darum war es auch nachvollziehbar, dass erste Einwanderer nach Wesel schon 1550 das Weseler Bürgerrecht bekamen.

Zur Integration trug auch immer ein gemeinsamer Faktor bei. So sei zum Beispiel die von Weselern und Flüchtlingen gemeinsam empfundene Gefahr vor den Spaniern sowie die gemeinsame Religion hilfreich gewesen. „Eine Visualisierung wäre dem Vortrag dienlich gewesen“, merkten einige Gäste zum Schluss des Abends an. Eine bessere Verständlichkeit (Lautstärke) oder eine bessere Sicht auf den Vortragenden (Dr. Veltzke war kaum bis gar nicht zu sehen) hätten das Erlebnis des aufschlussreichen Vortrags zu einem Vortragsgenuss werden lassen können.

Fortsetzung folgt

Dr. Veit Veltzke hatte noch am Abend einem zweiten Vortrag, einer Fortführung zum Thema „Vesalia hospitalis – Vesalia inhospitalis – Streifzüge durch die Weseler Stadtgeschichte“, zugestimmt.

 
 

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