Gagu-Hilfe für die Ebola-Waisen

Johannes Kruck
Gudrun Gerwien und Dieter Schmidt haben Sierra Leone besucht.
Gudrun Gerwien und Dieter Schmidt haben Sierra Leone besucht.
Foto: NRZ
Unterstützung aus Schermbeck: Ausbildungszentrums für Bäcker und Schneider in Sierra Leone öffnet im Herbst.

Schermbeck.  „Der Kopf ist voller Eindrücke, das Herz noch in Afrika“, sagt Gudrun Gerwien, nachdem sie zusammen mit Dieter Schmidt aus Sierra Leone zurückgekehrt ist. Die Vorsitzende der Gagu Zwergenhilfe und ihr Stellvertreter waren schon häufig auf der Halbinsel Lungi. Einerseits, um Verhandlungen mit der Regierung über das Kinderdorfprojekt für Ebola-Waisen zu führen. Andererseits, um sicherzustellen, dass die aus Deutschland vor Wochen losgeschickten Materialien da sind.

Material kam an

„Unser Container ist heil angekommen, so dass auch dem Weiterbau des Ausbildungszentrums nichts mehr im Wege steht“, freuen sich die Helfer nach ihrem Besuch im Home of Hope. Ganz in der Nähe entsteht zurzeit ein neues Gebäude, in dem demnächst Heranwachsende das Bäcker- und Schneider-Handwerk erlenen können. Sie könnten dort Schulkleidung fertigen und Brote backen, die in der Nachbarschaft verkauft werden.

Dieter Schmidt zählt auf, was nach Afrika gebracht wurde: Fenster, Türen, Elektro sowie Tret-Nähmaschinen. Vor Ort konnte er sich überzeugen, dass der Bau zweier Öfen voranschreitet. Ende April wird das Ausbildungszentrum fertiggestellt sein, im Herbst soll Eröffnung gefeiert werden.

Schlecht sieht es dagegen bei der Versorgung der Ebola-Waisen aus: Zurzeit sind die Kinder in Amputee Camps untergebracht, ohne jede Versorgung. „Dadurch entsteht die Gefahr, dass sich die Camps zu neuen Slums entwickeln. Die Zukunft ist ziemlich aussichtslos. Es sind also rasch greifende Veränderungen nötig“, warnt Gerwien. „Die Gesundheitsvorsorge ist total den Bach runtergangenen. Selbst die Zustände in Krankenhäusern sind katastrophal, dort laufen Mäuse über die Patienten. Ich bin schwer traumatisiert davon, das macht mich fassungslos und wütend.“

Rückblickend nennt sie aber einen Hoffnungsschimmer: „Das Leben hat wieder eingesetzt nach Ebola“. Die Afrikaner betreten jedoch auch heute noch keine Häuser, in denen Ebola-Patienten gewohnt haben. „Sie glauben, dass dort böse Geister wohnen.“

Doch es gibt Pläne für das Kinderdorfprojekt für Ebola-Waisen: Anstelle einer neuen Siedlung sollen in den Ortschaften zusätzlich ein oder zwei Häuser errichtet werden. In sie sollen dann Familien, Ehepaare oder Einzelne einziehen, die je zwei Waisen aufnehmen. Für die Bewohner sind zusätzliche Hilfen angedacht.

Paten gesucht

Wer sich von Deutschland aus für die notleidenden Kinder einsetzten möchte, kann eine Patenschaft übernehmen. „Wir brauchen dringend Paten, mit 25 Euro im Monat kann man Leben retten“, bittet Gerwien um Unterstützung.

Bürgermeister Mike Rexforth hat schon länger die Patenschaft der 12-jährigen Aminata übernommen, die im Rollstuhl sitzt. Als er von der Not in dem afrikanischen Dorf hört, sagte er jetzt spontan: „Ich übernehme noch eine Patenschaft.“

Zudem hat Rexforth eine Wette laufen, dass es die Zwergenhilfe nicht schafft, bis Ende Oktober 50 000 Euro Hilfsgelder einzusammeln. Quasi um seine Wette zu verlieren, hat er sicherlich begehrte Sammlerstücke aus der Musik-Branche organisiert, die für den guten Zweck zu Geld gemacht werden sollen: Signierte Originalgitarren von Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer.