Friedrich Lindekamp aus Hünxe feiert seinen 100. Geburtstag

Friedrich Lindekamp wird 100 Jahre Alt und empfängt Glückwünsche von Hünxes Bürgermeister Hermann Hansen.
Friedrich Lindekamp wird 100 Jahre Alt und empfängt Glückwünsche von Hünxes Bürgermeister Hermann Hansen.
Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
Am 9. Juli 1914 kam Friedrich Lindekamp als eines von acht Geschwistern auf die Welt – in Bucholtwelmen, auf dem Lindekamps Hof. Drei Wochen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Gestern gratulierte auch Hünxes Bürgermeister.

Hünxe..  Vor zehn Jahren war Hünxes Bürgermeister Hermann Hansen schon einmal zu Besuch bei Friedrich Lindekamp. Zum 90. Geburtstag. „Da hat er neben mir auf der Couch gesessen und erzählt und erzählt, und ich habe kein Wort verstanden“, lacht der Senior und weist auf sein linkes Ohr. Das ist das gute Ohr. Hansen saß vor zehn Jahren auf der anderen Seite. Gestern hatte der Bürgermeister eine neue Chance: Friedrich Lindekamp feierte seinen 100. Geburtstag, und neben vielen anderen gratulierte selbstverständlich auch das Gemeindeoberhaupt.

Am 9. Juli 1914 kam Friedrich Lindekamp als eines von acht Geschwistern auf die Welt – in Bucholtwelmen, auf dem Lindekamps Hof. Drei Wochen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Es waren harte Zeiten damals, auch für die Kinder auf dem Lindekamps Hof. „80 Morgen hatte der Hof. Wir haben immer geholfen, das Vieh versorgt, mit dem Pferd gepflügt“, erinnert sich der 100-Jährige. Einen Trecker? Bekam der Bruder, der den Hof übernahm, erst viel, viel später. Die Volksschule besuchte Friedrich Lindekamp, acht Jahre, und wenn es nach der Schule nichts zu tun gab auf dem Hof – „dann reichte unser Spielplatz von hier bis zu den Tester Bergen.“

Später besuchte Friedrich die Handelsschule in Wesel – und musste genau am Prüfungstag ins Krankenhaus, Blinddarm-Operation – kein Abschluss. Also ließ sich der junge Mann zum Milchkontrolleur ausbilden – hieß: „Morgens musste ich im Stall sein, wenn gemolken wurde.“ Und zwar auf Höfen im ganzen Kreis Dinslaken – und mit dem Fahrrad. Im Krieg war er bei der Kavallerie – unter anderem auf der Krim und in St. Petersburg. Im März 1945 stellte er sich den US-Truppen, geriet in Gefangenschaft: Frankreich, später Schottland, dazwischen USA. „Wir mussten auf den Feldern Baumwolle pflücken“, erinnert sich Lindekamp an blutige Hände.

1948 kam er zurück nach Hünxe, arbeitete auf dem Hof – und lernte dort seine Martha kennen. Bei der Feldarbeit. 1951 heirateten die beiden. Martha hatte Pläne. „Sie wollte ein Haus“, erzählt Sohn Friedhelm Lindekamp, „mein Vater lieber ein Auto“. Und wie das so ist: Die Frau setzte sich durch.

Dafür hat Lindekamp gearbeitet – erst bei Babcock, dann bei der Ruhr-Raffinerie BP, in der Küche. Bei der BP-Eröffnung war er dabei. „Und Ludwig Erhard ist an mir vorbeigegangen.“ Mit Zigarre. Nach der Arbeit bewirtschafteten die Lindekamps den Nutzgarten hinter dem neuen Haus, waren sparsam. Weggeworfen wurde nichts – selbst Nägel habe der Vater „wieder gerade gekloppt“, so der Sohn.

Viel Zeit für Hobbies blieb nicht. Aber Friedrich Lindekamp spielt schon lange und ganz wunderbar Mundharmonika. „Geh aus mein Herz und such Freude“, stimmt er an – das Lieblingslied seiner Schwester. Bis ins hohe Alter unternahm er täglich eine Radtour. So bleibt man gesund. Jeden Tag geht der Senior mit dem Rollator noch zum Briefkasten und in den Garten.

Weil Friedrich Lindekamps Frau Martha im Frühjahr gestorben ist, hat die Familie zuerst überlegt, die Feier abzusagen – aber, „schließlich wird man nur einmal 100“, schmunzelt der Sohn.

Und so brachte gestern der Gemischte Chor Bucholtwelmen, den Lindekamp seit Jahrzehnten als passives Mitglied unterstützt, dem Jubilar ein Ständchen. Außerdem gratulierten die drei Kinder, zwei Enkel, Vertreter der Bauernschaft und der Kirche. Und der Bürgermeister. Diesmal auf der richtigen Seite.

 
 

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