Freies WLAN - dringend oder nicht?

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Wesel..  Landauf, landab wird in den Städten die Frage gestellt: Sind unsere Geschäfte gegenüber dem vordringenden Internet-Handel konkurrenzfähig? Frei verfügbare WLAN-Netze gelten als ein Muss, um in die Innenstädte zum im Trend liegenden Einkaufen mit Handy-Nutzung zu locken. In Wesel sei es „allerhöchste Zeit, uns auf den Weg zu machen“, findet CDU-Fraktionsvorsitzender Jürgen Linz. „Es brennt nichts an“, meint hingegen sein SPD-Kollege Ludger Hovest.

Die Veranstaltung „Wozu noch Innenstädte?“ hatte wie ein Aufbruchsignal gewirkt. Mehrere politische Parteien setzten die Thematik auf die Tagesordnung. Aber nicht alle stürzen sich mit Macht auf die Förderung des internet-gestützten Einkaufens. Es gelte auch rechtliche Fragen wie etwa die so genannte Störerhaftung zu berücksichtigen, gab die Stadtverwaltung zur gestrigen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses in der Sache zu bedenken. Und man müsse fragen, ob das freie WLAN angesichts einer hohen Zahl von Flatrates für Mobilgeräte überhaupt noch zeitgemäß sei.

Die Ansichten der Einzelhändler seien durchaus nicht einheitlich, berichtete Bürgermeisterin Ulrike Westkamp aus dem mit der Thematik befassten Arbeitsgruppe, in der auch Werbegemeinschaft und Einzelhandelsverband mitwirken. Und die Sache könne nur im Einvernehmen mit dem Handel entschieden werden. Hinzu komme, dass man sich angesichts einer großen Spanne verschiedener Lösungsformen orientieren müsse. Mit sieben Anbietern sei man im Gespräch. Ihre Angebote lägen „sehr weit, erschreckend weit auseinander“.

Hilmar Schulz (WWW/Piraten) sprach von Verschleppung und wollte eine Grundsatzentscheidung für das kostenlose Angebot. Die SPD erhob die Forderung: Wenn freies WLAN, dann „fast kostenfrei“ und für das gesamte Stadtgebiet. Schulz und auch Linz steuerten auf einen Kompromiss zu: Wenn eine kostengünstige Lösung für die Innenstadt gefunden werde, könne man dort starten und später die Stadtteile einbeziehen. Zunächst einmal müssten aber einige Optionen für eine Umsetzung vorliegen, so Ulrich Gorris (Grüne).

Das soll in der Sitzung des Wirtschaftsförderungsausschusses der Fall sein. Im Juni, wenn die aktuelle VHS-Veranstaltungsreihe mit dem Einzelhandel abgeschlossen ist, müsse man zu einer Entscheidung kommen, so Linz. Er bezieht das WLAN-Angebot nicht nur auf den Handel, sondern auch auf Informationsangebote für Touristen. Jedenfalls in diesem Punkt blieb bei Ludger Hovest die Skepsis. Wesels Attraktivität wachse doch auch so schon: „Die Touristen kommen in Massen.“

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