Fast wie bei James Bond - Firma am Niederrhein jagt Betrüger

Denise Ludwig
Das Unternehmen gehört zu den Großen der Branche: Servoprax in Wesel.
Das Unternehmen gehört zu den Großen der Branche: Servoprax in Wesel.
Foto: Servoprax
Das Weseler Unternehmen Servoprax ist von einer Scheinfirma um 37.000 Euro betrogen worden. Da die Polizei nicht helfen konnte, engagierte das Unternehmen einen Privatdetektiv. Der Mann startete eine europaweite Suche nach den Übeltätern. Und was sich dann daraus entwickelte, war wirklich filmreif.

Wesel. Es hört sich an, als ob James Bond selbst tätig war. Das, was das Weseler Medizintechnik-Unternehmen Servoprax erlebt hat, würde sich als Stoff für einen spannenden Krimi eignen.

Es war September, als ein Unternehmen aus Frankreich bei Servoprax eine Bestellung in Auftrag gab: 150 Rollen Thermopapier, das zum Beispiel für Ultraschallbilder verwendet wird, sollten nach Großbritannien geliefert werden. Kurz darauf gab es eine neue Anfrage. Jetzt sollten 4000 Rollen geliefert werden. Warenwert: 37.000 Euro. Hinter dem Auftraggeber steckte ein „namhaftes Unternehmen“, ein „Gigant auf dem Markt der Medizintechnik“, sagte Stephen Hoffmann, bei Servoprax zuständig für das Auslandsgeschäft.

Normalerweise werden solche Geschäfte per Vorkasse abgehandelt, doch bei einem solch großen Unternehmen sind auch Ausnahmen möglich. Servoprax prüfte – wie immer – die Liquidität des Auftraggebers und legte ein Stammdatenblatt an, das unterschrieben zurückkam. Es schien, als hätte alles seine Richtigkeit. Der Auftrag ging ‘raus. Als nach der vereinbarten Zahlungsfrist von zwei Wochen noch kein Cent auf das Konto von Servoprax einging, forschten die Mitarbeiter nach und riefen bei dem angeblichen Auftraggeber an. Der wusste von nichts.

Polizei in Wesel nicht zuständig

Stephen Hoffmann ging zur Polizei und erstattete am 24. Oktober Anzeige. Da der Beschuldigte aber in Frankreich sitzt, ist die Weseler Polizei nicht zuständig. Sie übermittelte den Fall der Staatsanwaltschaft, so eine Sprecherin auf Anfrage der Redaktion.

All das dauerte Servoprax zu lange. Das Unternehmen heuerte einen Privatdetektiv in London an. „Der hat einen richtig guten Job gemacht“, sagt Hoffmann. Der Privatdetektiv organisierte Peilsender und schickte sie nach Deutschland. Gleichzeitig konnten die Weseler ein befreundetes Speditionsunternehmen in Schwerte für ein Täuschungsmanöver gewinnen.

Die Ladung wurde dann per Peilsender verfolgt

Die Weseler und Schwerter stellten Paletten mit altem Druckerpapier zusammen und versteckten die Peilsender darin. Anschließend ging die Ladung zu einer Lagerhalle in London. Der Detektiv legte sich auf die Lauer, überwachte die Übergabe, beschattete die Personen und informierte die Londoner Polizei über die Aktion. Die, schildert Stephen Hoffmann, sei angerückt und habe zwei verdächtige Schwarzafrikaner festgenommen.

Servoprax liege umfangreiches Fotomaterial vor, auf dem Verdächtige zu erkennen seien, so Hoffmann und ist sauer: Man habe den Behörden eine „sehr wohl bekannte Betrüger-Gruppierung auf dem Silbertablett“ geliefert, aber danach sei „nichts passiert.“