Falsche Bescheinigungen – Tierarzt zahlt 9000 Euro

Die Schlachtung von Kühen war am Montag in Wesel Thema vor Gericht.
Die Schlachtung von Kühen war am Montag in Wesel Thema vor Gericht.
Foto: WAZ FotoPool
Veterinär soll unerlaubt Schlachtungen in einem Schermbecker Betrieb durchgeführt haben. Das Verfahren vor dem Schöffengericht in Wesel wegen Urkundenfälschung wurde eingestellt.

Schermbeck.  Nicht nur für Außenstehende, sondern auch für den Vorsitzenden Richter des Weseler Schöffengerichts waren die Abläufe bei der Schlachtung von Kühen zunächst undurchsichtig.

Doch der Prozess am Montag, bei dem ein Tierarzt (50) aus Raesfeld wegen Urkundenfälschung angeklagt war, brachte zumindest etwas Licht ins Dunkel.

Der Beschuldigte, der seinen Beruf zurzeit nicht mehr ausüben darf, äußerte sich selbst nicht, sein Anwalt versuchte für ihn eine Einstellung des Verfahrens zu erreichen, was nach fast vier Stunden auch gelang: Gegen eine Zahlung von 9000 Euro an die Landeskasse NRW wird das Verfahren eingestellt.

Was war passiert?

Auf einem Schlachthof in Schermbeck waren in den Jahren 2011 und 2012 offenbar dutzende Tiere geschlachtet worden, die eigentlich gar nicht mehr hätten dort hin transportiert werden dürfen.

Der korrekte Ablauf wäre folgender: Hat zum Beispiel ein Tier ein Bein gebrochen oder ist sonst irgendwie verletzt, muss ein Tierarzt zu dem Betrieb bestellt werden, auf dem sich das Tier in dem Moment befindet. Dieser begutachtet es dann und führt – wenn nötig – direkt vor Ort eine Notschlachtung durch, damit die Tiere nicht länger leiden müssen.

Dieser Ablauf wurde laut Anklage von dem vor Gericht stehenden Veterinär jedoch in mindestens 74 Fällen nicht korrekt eingehalten, weil er wohl nicht bis Hiesfeld fahren wollte.

Ihm wurde vorgeworfen, die Tiere erst in dem Schermbecker Schlachthof begutachtet zu haben und Bescheinigungen gefälscht zu haben, auf denen eingetragen war, dass das Tier bereits in dem Herkunftsbetrieb von ihm untersucht und dort geschlachtet worden sei.

Um die komplizierte Materie etwas zu vereinfachen und das Verfahren abzukürzen, konzentrierte sich das Gericht in der Hauptverhandlung auf 20 konkrete Fälle, bei denen die Tiere aus einem Viehhandel in Hiesfeld zu dem Schermbecker Schlachter gebracht wurden.

Mitgeliefert wurden jeweils Bescheinigungen, auf denen zu lesen war, dass das Vieh bereits in dem Hiesfelder Betrieb notgeschlachtet worden sei.

Das hätte dem Schlachthofbetreiber, der bereits in einem vorherigen Verfahren für sein Fehlverhalten verurteilt worden war, natürlich auffallen müssen. Er sagte als Zeuge aus, er habe diese Bescheinigungen gar nicht gelesen, sondern nur abgelegt.

Während er in dem Verfahren gegen sich selbst noch behauptet hatte, er habe gewusst, dass die Unterschriften auf den Bescheinigungen „nachgeahmt“ worden seien, erklärte er nun, er wisse überhaupt nicht, ob die Unterschriften überhaupt gefälscht worden seien.

Dass die Signaturen falsch sein müssten, erklärte die Mitinhaberin des Hiesfelder Viehhandels im Zeugenstand, als sie die Unterschriften vergleichen sollte und dabei auch einen Rechtschreibfehler entdeckte: „So würde garantiert keiner aus unserer Familie unterschreiben.“

Sie erklärte zudem, den angeklagten Tierarzt nie zuvor gesehen zu haben, dieser sei garantiert noch nie auf ihrem Betrieb im Einsatz gewesen.

 
 

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