Erfolgreiches Projekt „Familiale Pflege“ im Marien-Hospital

Maria Droste (links) berät Doris und Maria Hülsdonk (von links), bei der Pföege des Patienten Heinrich Hülsdon.
Maria Droste (links) berät Doris und Maria Hülsdonk (von links), bei der Pföege des Patienten Heinrich Hülsdon.
Foto: WAZ FotoPool
Im vergangenen Jahr nahmen 472 pflegende Angehörige dieses kostenlose Angebot in Anspruch. Damit erreichte das Weseler Krankenhaus Platz drei unter allen Kliniken im Rheinland.

Wesel.  Krankenhaus-Aufenthalt - und dann? Diese Frage stellt sich vor allem für ältere Patienten nach einer stationären Behandlung im Krankenhaus. Doch nicht nur für die Betroffenen ist die Rückkehr ins eigene Zuhause mit Problemen behaftet.

Die Angehörigen stehen nicht weniger vor zunächst scheinbar unlösbaren Schwierigkeiten. Das Modellprojekt „Familiale Pflege“ im Marien-Hospital setzte hier an und unterstützt sowohl Patienten als auch deren Angehörige. Im vergangenen Jahr nahmen 472 pflegende Angehörige dieses kostenlose Angebot in Anspruch. Damit erreichte das Weseler Krankenhaus Platz drei unter allen Kliniken im Rheinland.

Dieses Ergebnis legte jetzt die Universität Bielefeld vor, die das von der AOK Rheinland/Hamburg und Nord-West finanzierte Projekt wissenschaftlich begleitet. Mit seinen „herausragenden Leistungen“ gehöre die Klinik zu den „Motoren des Modellprogramms“. Ein Lob, das Sylvia Guth-Winterink, Pflegedienstleiterin der Holding pro homine, natürlich gerne zur Kenntnisse nimmt. Die gute Beurteilung macht sie allerdings an der intensiven Betreuung des Projektes durch die Pflegefachkräfte fest, die federführend im klinikeigenen Patienten-Informationszentrum (PIZ) angesiedelt sind.

Hausbesuche und Gespräche

Projektleiterin Martina Flores, PIZ-Leiterin Maria Droste und Antje Müller sind gelernte Krankenschwestern mit langjähriger Erfahrung und vorwiegend in der Pflegeberatung tätig. Sie erläutern, wie das Projekt in der Praxis abläuft und funktioniert. Die breit angelegte Unterstützung setzt bereits in der Klinik an, so dass Patient und Familie begleitet werden können. Sind die Beteiligten an dem Angebot interessiert, findet zunächst ein Familiengespräch statt, in dem herausgefunden wird, was für die Pflege daheim erforderlich ist. Manchmal sind es nur einfache Handgriffe, die den Pflegealltag erleichtern, doch es geht auch darum, Entlastungsmöglichkeiten für die pflegenden Angehörigen aufzuzeigen. Martina Flores: „70 Prozent der Patienten werden durch ihre Angehörigen gepflegt. Auch sie müssen lernen, dass sich dadurch häufig die gesamte Lebensplanung verändert.“ Wichtig sei es deshalb, Ehepartnern oder Kindern bewusst zu machen, dass auch sie auf ihre Gesundheit acht geben und sie an sich selbst denken müssen, ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben.

Keine Konkurrenz

Bei den Pflegegesprächen in den Familien lasse sich rasch erkennen, wo die Hilfe ansetzen müsse, berichtet Maria Droste. Sie ist seit 40 Jahren im Marien-Hospital tätig und bringt ihre Berufserfahrung bei den Besuchen mit ein. „Manchmal reicht es schon aus, dass ein Mahlzeitendienst bestellt wird oder dass wir ein paar Tipps geben, wie der Patient am leichtesten vom Bett in den Rollstuhl gehoben wird.“ Doch es gibt eben auch Fälle, in denen eine Unterstützung durch ambulante Pflegedienste, einen Wund-Manager und anderes mehr erforderlich sind. Ausdrücklich weisen die Fachfrauen aus dem PIZ darauf hin, dass sie keine Konkurrenz zu ambulanten Pflegediensten darstellen.

Neben den Hausbesuchen gibt es ein zweites Angebot. In Angehörigen-Kursen wird der Umgang mit demenzkranken Patienten und die Pflege von Menschen mit körperlichen Erkrankungen erläutert.