Entspannte Ruhe am Rhein in Wesel

Sie wissen trotz des Hochwassers an der Grav-Insel in Flüren, wo es langgeht. Schließlich weist ihnen ein eindeutiges Schild den Weg übers Wasser. Foto: Heiko Kempken / WAZ FotoPool
Sie wissen trotz des Hochwassers an der Grav-Insel in Flüren, wo es langgeht. Schließlich weist ihnen ein eindeutiges Schild den Weg übers Wasser. Foto: Heiko Kempken / WAZ FotoPool
Foto: Heiko Kempken / WAZ FotoPool

Wesel.. Für die meisten ist es ein Naturschauspiel, das alle paar Jahre mal vorkommt und gern beobachtet wird. Und so zog es am Wochenende Tausende von Menschen an den immer weiter ansteigenden Rhein.

Wer nah am längsten deutschen Strom wohnt, sieht die reißenden Fluten aus einem anderen Blickwinkel. Was ist, wenn der Deich nicht hält? Was passiert, wenn die seit Tagen propagierte Jahrhundertflut kommt? Fragen über Fragen, die Deichgräf Klaus-Dieter Henne vom Deichverband Poll gut verstehen kann. „Viele Menschen machen sich Sorgen“, sagt er. Schließlich seien die Warnungen in den Medien für die Leute hinter dem Deich nur schwer einzuschätzen. Doch Henne gibt Entwarnung: „Die Situation ist entspannt“, sagt er. Der Scheitelpunkt soll den Niederrhein spätestens in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch erreichen, in Wesel soll er laut Prognosen bei 9,60 oder 9,80 Meter liegen. Das bedeutet in der Regel keinerlei Gefahr.

Die neu angeschaffte Spundwand, die bei Bedarf in Höhe der Gaststätte „Wacht am Rhein“ errichtet wird, muss dann nicht zum Einsatz kommen. Erst bei einem Weseler Pegel von 11 Metern werden zunächst die vertikalen Streben aufgebaut, erläutert der Deichgräf. Die kritische Höhe liege erst bei 11,50 Meter. Trotzdem sind er, die Heimräte und Erbentagsmitglieder in diesen Tagen immer wieder unterwegs, um die Lage zu beobachten. Bislang ohne besondere Vorkommnisse, sagt Klaus-Dieter Henne. Er selbst sei die komplette Strecke abgefahren. Gestern Vormittag habe man sich dann dazu entschlossen, an der Götschleuse in Xanten eine Sperre für den Verkehr einzurichten - aus Sicherheitsgründen. Auch die Stadt Wesel handelte bereits und sperrte den Eyländer Weg in Perrich/Werrich, was bei einem Wasserstand von 8,25 Meter vorgesehen ist.

Zur Sicherheit habe man beim Deichverband Poll auch die Bestände in der Lagerhalle am Büdericher Hagelkreuzweg genau unter die Lupe genommen. Jutematten und Sandsäcke sind in ausreichender Zahl vorhanden und in Ordnung. Die so genannte Wachstufe 1, bei der regelmäßige Begehungen und Befahrungen stattfinden, tritt ohnehin erst bei 10,50 Meter in Kraft. Dann müssten Wachbücher geführt werden. Doch zu diesem Wasserstand kommt es diesmal voraussichtlich gar nicht erst.

Nur noch wenige Schiffe unterwegs

Dass am Rheinhochwasser großes Interesse besteht, signalisiert übrigens auch das häufige Besetztzeichen bei der Pegelabfrage. Unter der Rufnummer 0281/19429 sind stets die aktuellen und die zurückliegenden Werte zu hören. Die Hochwassermarke I, die für die Schifffahrt erste Einschränkungen bedeutet, ist bereits überschritten. Sie liegt bei 8,70 Meter. Schiffe dürfen nicht mehr als 20 Stundenkilometer schnell sein und müssen das mittlere Stromdrittel benutzen. Die Hochwassermarke II (10,60 Meter) wird diesmal wohl nicht erreicht. Sie würde den Schiffsverkehr komplett zum Erliegen bringen, um die aufgeweichten Deiche nicht zu beschädigen.

Beim Deichverband Bislich-Landesgrenze sei man gut aufgestellt, sagt Geschäftsführer Holger Friedrich auf Anfrage der NRZ. In Bislich habe man bei eine der Begehungen einen Baumstamm geborgen, damit er nicht bei jeder Welle an Land gedrückt wird und den Deich beschädigt. Die Heimräte leisteten hervorragende Arbeit, lobt Friedrich, der den Bislicher Landwirt Franz-Josef Peters Bezirksdeichgräf nennt, obwohl es diese Bezeichnung gar nicht gibt. Bislang laufe alles nach Plan und das Rheinwasser planmäßig ab.

 
 

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