Elfeinhalb Jahre Gefängnis wegen Totschlags

Bodo Malsch
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Mit einem deutlichen Urteil endete am Montag vor dem Landgericht Duisburg der Prozess gegen einen Mann aus Guinea. Er hatte im Juli 2010 in Schermbeck eine 33-jährige Frau mit Messerstichen in den Hals getötet.

Schermbeck/Duisburg. Die Strafkammer war am Ende der im Dezember begonnenen Hauptverhandlung davon überzeugt, dass der Angeklagte am Abend des 25. Juli 2010 die 33-jährige Schwarzafrikanerin Jessica Awara in deren Wohnung an der Weseler Straße in Schermbeck durch vier Messerstiche in den Hals getötet hat. Elfeinhalb Jahre Gefängnis wegen Totschlags, lautete der Richterspruch. Der Angeklagte nahm das Urteil mit zusammengekniffenen Lippen auf. Bis zuletzt hatte er seine Unschuld beteuert und behauptet, dass er am Tattag längst auf dem Weg nach Skandinavien gewesen sei. In Norwegen war er im September 2010 inhaftiert und nach Deutschland ausgeliefert worden. Die Anklage war vor der Jugendkammer erhoben worden. Doch im Laufe des Verfahrens hatte sich aufgrund eines medizinischen Gutachtens herausgestellt, dass der Angeklagte, der nach eigenen Angaben zur Tatzeit erst 19 Jahre alt gewesen sein will, in Wahrheit mindestens fünf Jahre älter ist.

Handy-Daten als Beweis

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft und des Gerichts nicht die einzige Unkorrektheit bei den Angaben des Angeklagten: Die Signaturen seines Handys ließen keinen Zweifel daran, dass er sich in der Tatnacht in der Nähe des Tatortes aufgehalten hatte.

Dass sich in der Wohnung des Opfers überall Fingerabdrücke des jungen Mannes fanden, wäre allein kein Indiz gewesen. Schließlich waren Täter und Opfer liiert gewesen. Doch auch auf der Tatwaffe, einem Messer mit Holzgriff, fanden sich DNA-Spuren vom Angeklagten. Die Waffe hatte in einer Wohnzimmerschublade gelegen und war nach der Tat - nachlässig abgewischt - auch dorthin zurück gelegt worden. Der Täter habe sich bestens ausgekannt, so die Richter. Das passe nicht zu der Version von einem unbekannten Dritten als Täter.

Das Motiv für die Tat blieb im Dunkeln. Denkbar sei, dass der Angeklagte mit dem Lebenswandel seiner Freundin nicht einverstanden gewesen ist. Laut Zeugenaussagen hatte die 33-Jährige viel getrunken und zahlreiche Männerbesuche gehabt. Möglich auch, dass die HIV-Infektion der Frau die Beziehung belastete. Der Angeklagte glaubt, sich bei der 33-Jährigen angesteckt zu haben.

Anhaltspunkte für einen minderschweren Fall oder für sonstige strafmildernde Faktoren vermochten die Richter nicht zu erkennen. Da der Angeklagte die Tat bis zuletzt bestritt, blieb die subjektive Seite der Tat verborgen.