Elektrische Gefühle beim „Juli“-Auftritt in Wesel

Am Samstag die Band Juli in der Niederrheinhalle Wesel auf. Der Gesang wurde von Eva Briegel besetzt.
Am Samstag die Band Juli in der Niederrheinhalle Wesel auf. Der Gesang wurde von Eva Briegel besetzt.
Foto: WAZ FotoPool
Die erfolgreiche deutsche Band mit Frontfrau Eva Briegel begeisterte das junge Publikum in der Weseler Niederrheinhalle.

Wesel. Im Thekenbereich der Niederrheinhalle ist es am Samstagabend eher ruhig. Auf einem Bildschirm läuft Fußball, die Jungs der Weseler Band „Flash Forward“ stehen an der Theke, einige nehmen noch einen Imbiss. Eva Briegel, Frontfrau von „Juli“, fährt sich mit der Hand durch die Haare. „Vor dem Auftritt bürste ich die wohl noch mal“, grinst sie.

„Ich bin mit nassen Haaren eingeschlafen, dann sieht das halt so aus.“ Obwohl sie gleich zusammen mit den Jungs ihrer Band im Zuge der „Volksbank Music Night“ auf der Bühne stehen wird, ist Eva Briegel einigermaßen entspannt. Oder sieht das nur so aus? „Lampenfieber hat man immer. Das hat nichts mit dem Erfolg zu tun. Man kommt zum Beispiel ziemlich ins Schwitzen, wenn man nach der „Bloodhound gang“ auftritt und die ganze Bühne ist vermatscht“, sagt sie lachend. Vor drei Wochen hat „Juli“ noch in Mexiko gespielt, jetzt sind sie in Wesel. Kein Problem: „Man spielt überall, das ist unser Job. Wir sind auf den deutschsprachigen Raum beschränkt, da können wir nicht sagen, da und da spielen wir nicht“, erklärt Eva.

Ein wenig Erfahrung in der Region hat die Band sowieso, 2011 traten „Juli“ zusammen mit „Ich und Ich“ in Bocholt auf. In Wesel ist die erfolgreiche Alternativ-Pop-Band aber zum ersten Mal. „Ich weiß von Wesel mittlerweile sogar, dass es diesen lustigen Spruch gibt“, erzählt Eva. „Wie heißt der Bürgermeister von Wesel? Aber wir sind so spät zum Soundcheck gekommen, dass wir von der Stadt gar nichts sehen konnten.“

Lust auf Nähe

Macht nichts, schließlich zählen nicht Stadteindrücke, sondern die Weseler selbst, die zusammen mit den beiden Vorbands „Flash Forward“ aus Wesel, „Kingpin“ aus Emmerich und DJ Andreas Lawo die Halle zum Kochen bringen sollen. „Ich hoffe, der Funke springt über. Ich mag es, wenn man merkt, dass die Leute Spaß am Leben und der Musik haben. Das raus zu kitzeln ist toll.“ Und dann muss Eva los, noch ein bisschen chillen und Haare glätten, bevor es auf die Bühne geht. Bis es soweit ist, sorgen die Nachwuchsbands „King Pin“ aus Emmerich und „Flash Forward“ für die richtige Konzertatmosphäre. Als die vier Jungs von „Flash Forward“ nach dem dreißigminütigen Auftritt von der Bühne kommen, strahlen sie. „Die Leute haben uns mit offenen Armen empfangen. Es war toll, in der Heimatstadt aufzutreten – und dann auch noch vor einer Band wie Juli!“, schwärmt Jakob Wolff.

Und dann ist es kurz vor elf, Eva Briegel, Jonas Pfetzing, Simon Triebel, Andreas Herde und Marcel Römer betreten die Bühne. Sie machen nicht viele Worte und steigen direkt laut und energiegeladen mit „Immer wenn es dunkel wird“ und „Wir sind wie Maschinen“ ein. Das gemischte Publikum in der nicht ganz ausverkauften Halle jubelt, Fotoapparate werden gezückt, die ersten tanzen oder kuscheln. „Schönen guten Abend, Wesel! Habt ihr euch alle unter den Armen rasiert? Ich meine wegen Mitklatschen und so...“, frotzelt Eva dann, bevor sie „Geile Zeit“ performt.

Die Band ist live extrem gut, die Zuschauer sind begeistert, den Refrain muss Eva gar nicht singen – das Publikum übernimmt kurzerhand. Bis nach Mitternacht geben „Juli“ alles. Es ist eine Nacht voll von eindringlich schönem, deutschsprachigem Sound und guten, handgemachten Texten. Die Band ist gut gelaunt, hat Star-Appeal und eine enorm mitreißende Lust auf Publikumsnähe und Unterhaltung. Die durchgängig bekannten Songs wie „Die perfekte Welle“, „Du lügst so schön“ oder „Was hat dich so zerrissen?“ machen dem Publikum Laune aufs inbrünstige Mitsingen. Kein Wunder, dass „Juli“ erst nach drei Zugaben die Bühne verlassen dürfen – und natürlich erst, als sie ihren momentan wohl beliebtesten Song rausgehauen haben: „Elektrisches Gefühl“. Danach sind alle so elektrisiert, dass sie bis in den frühen Morgen weiterfeiern.

 
 

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