Eine Perle des Naturschutzes

Vom Boot aus genossen die Teilnehmer die herrliche Aussicht.
Vom Boot aus genossen die Teilnehmer die herrliche Aussicht.
Foto: Johann Ridder WAZ FotoPool

Wesel..  Ach, was ist es doch schön am Niederrhein. Herrliche Landschaften mit Wald und Wiesen, aber auch mit idyllischen Flussauen und Baggerseen, die nach der Renaturierung fast paradiesisch wirken.

Ein solches Kleinod erkundeten fast 40 Teilnehmer aus einer anderen Perspektive. Nicht per Auto, Fahrrad oder zu Fuß, sondern per Boot entdeckten sie den Baggersee Westerheide zwischen Flüren und Bislich.

26 Fischarten

Der Ausflug war Teil der Veranstaltungsreihe „Stadt, Land, Fluss“ des Landschaftsverbandes Rheinland in Kooperation mit den Bio-Stationen der Kreise Wesel und Kleve. In Gruppen ging es für die Teilnehmer mit dem Motorboot über den Baggersee und den offen angrenzenden Altrhein bis zur Mündung in den Rhein. Gerhard Steinling, der auf dem See Fischerei betreibt, steuerte das Boot. Fischexperte Dr. Wilhelm Busch berichtete allerlei Wissenswertes und Spannendes.

So erfuhren die Mitfahrer unter anderem, dass der Rhein sein Bett mehr und mehr vertieft und Altrheine dadurch immer weniger Wasser führen. Offen angrenzende Baggerseen wie das Gebiet Westerheide werden dadurch zu bedeutenden Ersatzbiotopen, in denen vielerlei Fischarten einen Lebensraum mit genügend Nahrung finden. „Sogar mehr Nahrung als im Rhein“, erklärte Busch. „Durch die Strömung wird Plankton im Fluss viel schneller transportiert als im Baggersee.“

Bis zu 26 Fischarten gebe es in der Region im Rhein, aber auch in den Altrheinen und Baggerseen, so Busch weiter. Lachse seien ebenso zu finden wie Störe oder Weißfische. Natürlich biete der 60 Hektar große und elf Meter tiefe See aber auch vielen Vögeln Platz, etwa Kormoranen. Ihre Federn seien „millionenfach“ am Ufer zu finden, betonte der Experte. Im Winter schlafen außerdem bis zu 50 000 Wildgänse auf dem Wasser, erklärte Heiner Langhoff von der Biostation.

Spannend und informativ fanden Gudrun und Klaus Koppers aus Flüren die knapp 20-minütige Rundfahrt mit dem Motorboot. Für die 64-Jährige und ihren fünf Jahre älteren Mann war der Ausflug aber noch mehr: eine Reise in die Vergangenheit nämlich. „Als Kinder waren wir oft hier und haben gespielt“, erinnerte sich Gudrun Koppers. Schon mit den Eltern sei sie als Kind mit dem Fahrrad zur „Rose“ gefahren, die Gaststätte gab es damals noch direkt am Rhein. „Ich glaube, es muss 1975 gewesen sein, dass wir das letzte Mal hier waren“, sagte Klaus Koppers. „Damals sah hier alles noch ganz anders aus, die Flächen wurden landwirtschaftlich genutzt.“

Das Paradies, zu dem die Westerheide nun geworden ist, gefiel dem Flürener „ganz wunderbar“. Das ruhige Wasser des Sees, auf dem sich das Sonnenlicht spiegelte, der kleine Sandstrand am Ufer, die dichte Begrünung mit Bäumen und Sträuchern.

„Das ist eine Perle des Naturschutzes geworden“, sagte Dr. Wilhelm Busch und die Mitfahrer stimmten ihm zu, bevor sie wieder von Bord gingen, um den Tag anschließend bei einem Uferspaziergang, Getränken und Fisch vom Grill ausklingen zu lassen.

Anfang des 20. Jahrhunderts sollte auf dem Gebiet Westerheide ein Stahlwerk gebaut werden. Aufgrund der Stahlkrise wurden die Pläne verworfen, Hülskens kaufte das Grundstück 1970 von Thyssen.

100 Hektar wurden dort ausgekiest. Davon sind nun 60 Hektar See, 40 Hektar landwirtschaftliche Flächen.

Entgegen erster Ideen, den See für Freizeitnutzung zur Verfügung zu stellen, wurde die Westerheide schließlich ruhiggestellt und ist nun Schutzzone. Durch die versteckte Lage werde der See auch kaum illegal genutzt, sagte Heiner Langhoff.

 
 

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