Eine Gaspipeline vor der Haustür

Kreis Wesel..  Mit den Anwohnern ins Gespräch kommen – das wollte die Firma Open Grid Europe, die maßgeblich an der geplanten Zeelink-Pipeline beteiligt ist, am Dienstag beim Infoabend im Marienthaler Gasthof. Die Pipeline, die verflüssigtes Erdgas fördern soll, erstreckt sich über 212 Kilometer zwischen der deutsch-belgischen Grenze und Ahaus in Nordrhein-Westfalen. Dazwischen liegt auch ein Abschnitt, in dem die Pipeline durch den Kreis Wesel führt. Die Bewohner ahnen nichts Gutes. Die Mehrheit sind Landwirte, die um ihren Grund fürchten. „Wir haben bei uns Tonboden – ob der ohne bleibende Schäden wiederhergestellt werden kann? Das wird sehr schwierig“, meinte ein Betroffener aus Schermbeck. Auch einige Landwirte aus Raesfeld, Marienthal und der näheren Umgebung waren unter den etwa 50 Interessierten, die den Saal komplett füllten.

„Wir dürfen zwar unsere Meinung äußern, aber gebaut wird die Pipeline ja trotzdem. Das stört mich am meisten“, bemängelte eine Bürgerin. Bis zur geplanten Fertigstellung im März 2021 muss noch viel getan werden. Ganz oben auf der Liste steht die Findung einer endgültigen Trasse. Momentan gibt es noch drei verschiedene Möglichkeiten – auch diese Ungewissheit stört viele: „Man kann auf der Karte der Webseite zwar die Ansicht vergrößern, aber nicht weit genug, um die einzelnen Parzellen zu sehen.“

Mit Informationstafeln, einer Präsentation und Getränken aufs Haus versuchten die Beteiligten des Projekts, die Landwirte zu beruhigen. Sie begrüßten alle persönlich, beantworteten Fragen und lieferten Lösungsansätze für die größten Ängste, beispielsweise einen Unfall oder die nachhaltige Schädigung von landwirtschaftlichem Boden.

Dauerhafte Schäden, die durch die Pipeline entstehen, sollen langfristig entschädigt werden. Auch der Naturschutz ist Thema: „Durch den Dämmerwald können wir die Pipeline nicht legen. Das ist ein Naturschutzgebiet, diese Trasse wäre nicht genehmigungsfähig. Daher müssen wir den Wald umgehen.“ Und: „Beim Bau tragen wir jede Bodenschicht einzeln ab und lagern sie, um sie naturgetreu wiederherzustellen.“

Trotzdem blieben die Anwesenden skeptisch: „Auf der anderen Rheinseite wollten sie die Pipeline durch ein Naturschutzgebiet legen – da haben die Bürger dann protestiert.“ Der nächste geplante Schritt ist die Boden- und Baugrunduntersuchung, in die auch die Bezirksregierung involviert ist. Diese Untersuchungen sollen dann endlich auch Aufschluss über den endgültigen Verlauf der Pipeline geben. Bis dahin müssen sich die Betroffenen also noch gedulden, ganz egal, ob sie von dem Projekt Zeelink überzeugt sind oder nicht.

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