Eine Ehrenrunde zum Geburtstag der Lok

Die Feldbahnfreunde Schermbeck-Gahlen feierten den 75. Geburtstag der Lok Diema mit einer Extra-Fahrt.
Die Feldbahnfreunde Schermbeck-Gahlen feierten den 75. Geburtstag der Lok Diema mit einer Extra-Fahrt.
Foto: WAZ FotoPool / Gerd Hermann
Die Feldbahnfreunde Schermbeck-Gahlen feiern den 75. Geburstag ihre Lok Diema mit einer besonderen Ausfahrt. Die Dauerleihgabe des Dachziegelwerks Nelskamp setzte sich dafür auf dem Vereinsgelände in Bewegung.

Schermbeck..  An ein Schienennetz ist der Ortsteil Gahlen bekanntlich nicht gebunden – dennoch konnte dort am Samstag eine fahrende Lokomotive gesichtet werden. Sie gehört den Feldbahnfreunden und ist nach längerer Nutzungspause wieder reaktiviert worden - und feiert ihren 75. Geburtstag. Grund genug für eine richtige kleine Feierstunde

„Bitte alle gut festhalten – es kann losgehen!“, ruft Karl-Heinz Nels-kamp, während er die 75 Jahre alte Lok Diema vorsichtig in Bewegung setzt. Ein lautes und ratterndes Motorgeräusch ertönt, wie man es in etwa von einem Traktor kennt. Dann wird Fahrt aufgenommen: Erst fünf, dann zehn und schließlich 15 Stundenkilometer schnell – „alle drei Gänge sind an eine bestimmte Geschwindigkeit gebunden“, erklärt er. Und nicht nur Nelskamp, der zur feier des Tages Lokführer sein darf, sondern auch die zehn Fahrgäste scheinen sichtlich Spaß zu haben. Sie alle sitzen in einem Waggon, der mit mehreren Holzbänken ausgestattet ist – winken immer wieder, machen Fotos oder stoßen mit Sekt an.

Und auch wenn die Route entlang des Maisfeldes nur auf rund 500 Meter beschränkt ist, das langersehnte Ziel der Feldbahnfreunde Schermbeck-Gahlen ist in diesem Moment erreicht: Sie haben eine alte und rostige Lok in ein echtes Schmuckstück verwandelt.

Drei Tonnen schwer

Die drei Tonnen schwere Feldbahnlok DS 16 sei 1939 vom Reichsarbeitsdienst an die Dorstener Firma Schaub übergeben worden, von wo aus man sie an die Dachziegelwerke Nelskamp in Gahlen weiterverkauft habe, erzählt Michael Nienhaus, Vorsitzender des Vereins Feldbahnfreunde Schermbeck-Gahlen. Bis heute stehe das Fortbewegungsmittel ununterbrochen in Schermbeck. Seit 2010 auf dem Hof Haferkamp Im Aap 25. – „als eine vertraglich festgehaltene Dauerleihgabe der Familie Nels­kamp“.

Mühevoll restauriert

Vier Jahre und über 600 Arbeitsstunden seien erforderlich gewesen, um die einst verrostete und farblose Lok in liebevoller Kleinarbeit zu restaurieren. Man habe unter anderem Risse geschweißt, die Bremsanlage erneuert und den Motor komplett zerlegt, so Nienhaus. Zudem erstrahlt das gute Stück nun in den Farben Grün und Rot.

„Ein unbeschreibliches Gefühl. Da kommen bei mir sofort alte Kindheitserinnerungen hoch“, resümiert Karl-Heinz Nelskamp nach der erfolgreichen Testfahrt. In seinen Schulferien habe sich der mittlerweile 69-Jährige mit dieser Feldbahnlok ein kleines Taschengeld dazuverdient – auf dem ehemaligen Gelände der Ziegelei Overbeck. „Bis zu acht Stunden am Tag bin ich damit gefahren, um Torf zu transportieren.“ Anfang der 70er Jahre sei die Tongrube stillgelegt und somit die Nutzung der Lok eingestellt worden.

Ihre frisch restaurierte, alte Diesellok haben die Gahlener Feldbahnfreunde stolz präsentiert, doch: Eine ordentliche Strecke, um sie öffentlich in Betrieb zu sehen, gibt es nicht. Genau genommen könnten das 75 Jahre alte Schmuckstück, die drei weiteren Loks des Vereins sowie Waggons und das ganze Drum und Dran eine touristische Attraktion in Gahlen sein. Seit Jahren träumen die Aktiven davon, die alte Strecke vom Restaurant Hohes Ufer zum Radfahrercafé An’ne Lehmkuhle wieder in Betrieb zu nehmen. „An Wochenenden oder ausgewählten Tagen könnten wir Feldbahnen dort pendeln lassen“, sagt Michael Gorris, stellvertretender Vorsitzender des Vereins.

Klingt interessant, doch ganz so einfach ist das nicht. Zwar war die Strecke früher in Betrieb. Sie wiederzubeleben erforderte aber einen Bauantrag beim Kreis Wesel, den die Feldbahnfreunde inzwischen auch gestellt haben. Von einer Genehmigung können sie derzeit nur träumen, das Projekt wird gehandhabt wie ein Neubau. Ein Artenschutzgutachten müssen sie beibringen, so der Kreis. „Wir stoßen immer wieder auf neue Hürden“, erläuterte Gorris. „und wir müssen darüber nachdenken, was wir als Verein stemmen können.“

Gutachten ist teuer

Das Gutachten würde zehn- bis zwölftausend Euro kosten. Nicht wenig, aber aufzubringen. Doch die Strecke ist vollkommen zugewachsen, sie müsste vom Grün befreit werden. Für Ausgleichsmaßnahmen würden wiederum bis zu 40 000 Euro fällig. „Weil uns das zu teuer ist, immerhin muss ja noch der Bau bezahlt werden, haben wir über eine Ausweichtrasse parallel zur alten Strecke nachgedacht.“ Doch auch das ist kaum machbar, denn die Gleise würden über das Land der Nachbarn führen. „Bislang sind wir damit gescheitert.“

Ganz aufgegeben haben sie ihren Traum von der Trasse noch nicht, aber ohne Zuschüsse werden sie nicht in der Lage sein, ihn zu verwirklichen. Im Grunde seien ja alle auf ihrer Seite, doch über geltendes Recht könne sich eben niemand hinwegsetzen. „Wir suchen den Horizont nach Fördermitteln ab.“

Auch die vor zwei Jahren noch gerade so befahrbare Strecke von rund einem Kilometer, Teilstück der geplanten, 2,5 Kilometer Strecke, ist im derzeitigen Zustand unbrauchbar. Viel Arbeit und auch ein paar Euro werden nötig sein, um wenigstens diese Gleise zu retten. Dieses Jahr steht das aber für den Verein nicht mehr an

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel