Eine Band ohne Instrumente

Foto: NRZ
Micappella aus Singapur begeisterte die Besucher in Marienthal. Die Musiker präsentierten ein außergewöhnliches A-cappella-Programm.

Hamminkeln..  Micappella: Zwei Frauen und vier Männer, alle Ende 20. Am Sonntagnachmittag traten sie beim Marienthaler Winterabend im Haus Elmer auf: Eines von vielen A-cappella-Konzerten und doch so anders.

Gesang ganz ohne Instrumente, das kennt man. Doch das, was die Gruppe Micappella auf die Bühne brachte, war für viele neu. „Wir versuchen wie eine ganze Band zu klingen. Nur mit unseren Stimmen“, erklärt die Gruppe zu Beginn ihres Auftrittes auf Englisch. Um dem Publikum einen Eindruck davon zu geben, stellte sich jedes der sechs Mitglieder vor und zeigte, welches Instrument es mit seiner Stimme nachstellt. Darunter ein Schlagzeug, eine elektrische Gitarre und ein Synthesizer.

Micappella ist das erste Mal in Deutschland, Marienthal war ihr dritter Stopp. Zuvor sangen sie schon in Berlin. Anfang Februar geht es weiter nach London – dort nehmen sie am „London A Cappella Festival“ teil. Deutschland gefällt ihnen gut: „Wir waren die ganze Zeit draußen und haben mit dem Schnee gespielt“, erzählen sie. Die meisten von ihnen haben noch nie Schnee gesehen.

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Erfrischend war die Auswahl an Liedern, die Micappella präsentierte – von bekannten Liedern aus den Charts wie „All of me“ von John Legend oder „Shake it off“ von Taylor Swift über Lieder auf Mandarin, Koreanisch und Japanisch. Sogar ihr eigenes Lied brachten Micappella mit. Es heißt „Here we go“ und beschreibt die Reise, die die Gruppe seit ihrer Gründung vor sechs Jahren erlebt hat. Angefangen als Hobby, sind sie nun professionelle Musiker. „Wir sind sehr glücklich und stolz hier zu sein“, sagen sie.

Die Zuschauer durften sich nicht nur zurücklehnen und den Gesang genießen. Nein, sie bekamen gleich eine Einführung, wie man Schlagzeug-Geräusche mit dem Mund nachahmt. Aus einzelnen Tönen sollte die Melodie von „We will rock you“ entstehen, was auch gut funktionierte. Da das Publikum dann doch den bekannten Text mitsang, gab es danach noch einen A-cappella-Kurs. Dazu ordneten sich die Zuschauer nach Stimmlage in drei Gruppen ein und sangen fleißig und gemeinsam mit den Musikern „In the still of the night“.

Vom Programm waren alle durchweg begeistert, immer wieder hörte man ein staunendes „Wow“, lauten Jubel und minutenlangen Beifall nach den einzelnen Liedern. Auch wenn einige gar nicht mit einem so modernen Programm gerechnet hatten. So auch die 49-jährige Andrea Sulimma: „Ich war anfangs echt überrascht. Es ist toll, dass das Konzert so fetzig ist!“ Sie konnte es teilweise kaum glauben, dass die Musiker keine Instrumente benutzen, so realistisch klingen ihre Nachahmungen.

„Marien Thaler“ zum Abschied

Eine besondere Überraschung gab es zum Schluss. Sängerin Calin Wong hatte Geburtstag, daher forderte der Veranstalter das Publikum auf ihr ein kleines Ständchen zu singen: „Happy Birthday to you“, klang es laut. Als Geschenk bekam sie einen „Marien Thaler“ überreicht. Die Sängerin war so gerührt von der netten Geste, dass ihr glatt ein paar Tränen über die Wangen kullerten. Zum Abschied erntete die Gruppe minutenlangen Beifall, Jubel und stehende Ovationen. Anders, aber begeisternd.

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