Ein Wald im Wald

Wesel..  Als die Abholzaktion im Nordglacis stattfand, war Bürgermeisterin Ulrike Westkamp im Urlaub und ahnte nichts von der Aufregung, die das Fällen der Bäume ausgelöst hatte (wir berichteten mehrfach). Bei ihrer Rückkehr habe sie einen gehörigen Schrecken bekommen, sagte sie bei der Bürgerversammlung zu diesem Thema: „Ich war entsetzt über die Situation.“

Das Entsetzen der Anwohner schien derweil etwas gewichen zu sein, denn nach den Vorträgen der Stadtverwaltung gab es ihrerseits kaum Fragen. Ansonsten äußerten sich Vertreter der Kindertagesstätten. Ein Vater sagte, er könne nicht verstehen, dass es einige gebe, die etwas gegen die Planung haben. „Ich finde das optimal, das habt ihr sehr gut gemacht“, hieß es Richtung Verwaltungsbank. Ein Vertreter des Caritasverbandes äußerte seine Freude über die Neuerung. Das Karl-Leisner-Haus sei bald bezugsfertig.

Zuvor hatte Fachbereichsleiterin Ila Brix-Leusmann das Vorhaben zur Schaffung von weiteren Plätzen für die Betreuung von Kindern unter drei Jahren erläutert. 36 solcher Plätze werden am Herzogenring neu bereit gestellt, hinzu kommen neun für über Dreijährige. Dafür sei kindgerechter Bewegungsraum nötig, in diesem Fall naturnah. „Es sollte ein Wald im Wald werden, und es wird ein Wald im Wald“, sagte sie. Zur Abgrenzung ist ein Stabgitterzaun vorgesehen, der - bepflanzt- von außen nicht mehr zu sehen sein werde. Schließlich sei schon immer im Glacis gespielt worden. So habe es dort einst zwei Spielplätze gegeben, zeitweilen einen Trimm- und einen Naturlehrpfad. Sie habe deshalb nicht mit Diskussionen gerechnet.

Kranke Bäume

Letztere wurden weniger durch die Ansiedlung weiterer Kinderbetreuungsplätze ausgelöst, sondern durch die rabiate Abholzaktion, die nicht angekündigt worden war. Ulrich Streich, Leiter des städtischen Betriebes ASG (Abfall, Straßen, Grünflächen) sagte, dass er den Auftrag erhalten habe, die Verkehrssicherung herzustellen. Dabei habe sich wiederum herausgestellt, dass viele Bäume krank gewesen seien, wie Heinz-Georg Oberender (ASG) anhand von Fotos erläuterte. Eine Wurzelfaulstelle bei einem Ahorn, ein Pilzfruchtkörper bei einer Pappel, morsche Stämme, faule Bäume, Stammrisse, abgelöste Rinde, eine Brandstelle - die Liste war lang. Warum auch in nicht unerheblichem Umfang gesunde Bäume fielen, wollte ein Besucher der Versammlung wissen. Dass kleine Bäume mitgerissen würden, sei bei Fällungen üblich, antwortete Oberender. Im Herbst werde dies bei der geplanten Pflanzung ausgeglichen.

Die Fläche für den Kindergarten umfasst 870 Quadratmeter Glacis, wovon 520 Quadratmeter Spielfläche werden. Als Ersatzpflanzung sind Esskastanien und Walnussbäume vorgesehen sowie immergrüne Sträucher.

 
 

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