Ein Stück Weseler Geschichte

Grabmale auf dem Friedhof an der Caspar-Baur-Straße. Foto: Peggy Mendel / WAZFotoPool
Grabmale auf dem Friedhof an der Caspar-Baur-Straße. Foto: Peggy Mendel / WAZFotoPool

Wesel..  Viele Grabsteine auf dem Friedhof an der Caspar-Baur-Straße aus dem Jahr 1805 erzählen sie - ein Rundgang.

Die schlichten Steinkreuze, die vor dem Denkmal der Trauernden Vesalia in Reih und Glied stehen, erinnern an das wohl traurigste Kapitel der Stadt: an die Zerstörung durch die Bombardements der alliierten Streitkräfte. Die Menschen, die auf diesem Teil des Friedhofs an der Caspar-Baur-Straße beerdigt sind, wurden Opfer des Zweiten Weltkrieges. Das Todesjahr, das die einheitlichen Steine ziert, variiert. Am häufigsten findet sich die Zahl 1945. 175 Menschen sind hier begraben.

Zahlreiche Bürgermeister

Wer über den stadtnahen Friedhof geht, sieht nicht nur die für die Gedenktage im November unterschiedlich geschmückten Gräber, sondern erlebt beim aufmerksamen Schauen und Lesen ein Stück Weseler Geschichte. Immerhin wurde dieser Friedhof bereits vor mehr als 200 Jahren angelegt. 1805 war es, als die Weseler an dieser Stelle begannen, ihre Verstorbenen zu begraben.

Alte, verwitterte Steine, teils mit Moos, teils mit Efeu überwuchert, geben manchmal nur noch Denkmalfragmente frei. Mal zieren schlichte Holzkreuze die letzten Ruhestätten, mal ganz außergewöhnliche Grabsteine. Dabei stößt der Besucher beim Gang durch die Reihen immer wieder auf bekannte Namen, die zum Teil auch Weseler Straßenschilder zieren. Da ist zum Beispiel die Familie Schneemann, die mit Moritz Schneemann (1836-1930) einen Stadtverordneten und Beigeordneten stellte, der Ehrenbürger von Wesels ist. Auch der ehemalige Landrat des einstigen Kreises Rees hieß so. Er wurde 1873 geboren und starb 1958. Zahlreiche Bürgermeister haben an der Caspar-Baur-Straße ebenfalls ihre Grabstätte, darunter Dr. Josef Fluthgraf (1850-1926), seines Zeichens Oberbürgermeister, wie auch auf dem Grabmal steht, Kurt Kräcker (1916-1966), der mit dem Auto tödlich verunglückte, Ewald Fournell (1900-1982), Günter Detert (1929-2001) und Wilhelm Schneider (1926-2007).

Das alte Schild, das mittlerweile in Stücke zersprungen ist, und auf einen Physikus aufmerksam macht, zieht die Blicke genauso auf sich wie das über und über mit Efeu und anderen Blättern überzogene Grab der Weseler Künstlerin Eva Brinkman (1896-1977), die die Trauernde Vesalia am anderen Ende des Friedhofs schuf. Ganz besonders fällt das türkis gestrichene Eisengitter auf, das die Stätte umrahmt. Der Weseler Maler August Oppenberg (1896-1971) hat ebenfalls auf dem Weseler Friedhof seine letzte Ruhe gefunden. So wie Gerhard Joseph Honnerbach (1793-1861) und seine Frau Maria (1794-1854), die Begründer des katholischen Bürger Waisenhauses Wesel. Die Römisch-Katholische Josef Honnerbach’sche Bürgerwaisenhaus-Stiftung erinnert heute noch an die beiden, besser bekannt als Honnerbachstiftung.

Genter Seminaristen

Ebenfalls auffällig, weil sehr pompös und an zentraler Stelle des Friedhofs, ist die letzte Ruhestätte der Familie von Maltitz. Hinter einem filigranen, verrosteten Tor steht unter anderem der Name Friedrich Hermann Emil von Maltitz (1840-1907).

Ein bemerkenswertes Grabmal ist auch das der Genter Seminaristen. „Dem ruhmreichen Andenken der 35 Leviten, die im Jahre 1813 aus dem Genter Priesterseminar verschleppt in Wesel starben. In diesem Grabe erwarten sie den Lohn für ihre unbesiegte Treue zur Kirche“, steht darauf geschrieben. An den anderen Seiten der steinernen Säule sind die Namen zu finden, die mehr und mehr verblassen. Einer davon: Karel Buyse. Napoleon hatte die Seminaristen nach Wesel verbannt, weil sie geweigert hatten, den Bischof von Gent anzuerkennen.

Ein unscheinbares Holzschild am Stamm eines Ahorns und der Gesang der Vögel zeigt aber auch, dass der Friedhof ein großer Lebensraum ist. „Vogelschutzgebiet Kanaria Wesel 1959“ steht darauf. Und schon fliegt eine der vielen Amseln vorbei, die dem Gast beim Gang über den Friedhof an der Caspar-Baur-Straße beinahe auf Schritt und Tritt begegnen.

 
 

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