Ein Pflück-Neuling im Erdbeerfeld

Margarethe Schyja pflückt die roten Früchte.
Margarethe Schyja pflückt die roten Früchte.
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Während der Saison herrscht jeden Tag Betrieb: Am Wehagen in Wesel können Besucher Erdbeeren selbst pflücken. Und auch gleich genießen...

Wesel..  Ingrid und Joachim Pruß brauchen nur ein paar Minuten, um ihren orangenen Eimer und das blaue Körbchen randvoll mit roten Erdbeeren zu füllen. Ich dagegen wusel eine halbe Stunde auf dem gut ein Hektar großen Feld umher, bevor ich mich überhaupt an die Waage traue – rund zwei Kilo habe ich vom warmen Strohboden aufgelesen. Nicht schlecht, lobt Standleiterin Maike Buchmann, aber doch etwas langsam. Aller Anfang ist eben schwer.

Halbzeit in der Erdbeersaison

Doch von vorne: Es ist 11 Uhr, die Sonne scheint schon kräftig auf das von Feldern und Bäumen umsäumte Erdbeerfeld an der Straße Am Wehagen. Ein paar Pflücker hocken schon vereinzelt über den niedrigen grünen Pflanzen und weißen Erdbeerblüten, stellen sich wieder hin, stemmen die Hände in die Hüften und blickend suchend umher, bevor sie sich erneut hinknien. Auch ich, ein Pflück-Neuling, möchte mein Glück versuchen, ob noch welche da sind? Schließlich läuft das Geschäft schon seit dem 28. Mai, erklärt Maike Buchmann. „Es ist Halbzeit“, sagt sie und drückt mir ein längliches Körbchen mit Plastikgriff in die Hand.

Noch bevor ich mich auf die Erdbeeren stürze, kommt mir Ehepaar Pruß entgegen. Pflück-Experten – ein- bis zweimal pro Woche wagen sie sich aufs Feld, frische Ware sei eben die beste. Im Supermarkt um die Ecke einkaufen? Kann doch jeder. „Außerdem lieben wir die Natur“, sagt Ingrid Pruß.

Zum Abschied bekomme ich ein paar Tipps. „Nur die Roten nehmen. Und bevor Sie von einem Strauch pflücken, erst einmal probieren“, rät Joachim Pruß. Schließlich schmecke das Obst von Pflanze zu Pflanze anders. „Immer mit der Sonne pflücken, also von hinten nach vorne“, wirft Ehefrau Ingrid ein. „Dann sieht man auch, was man rupft.“

Ich mache mich zum Ende des Feldes auf, immer schön vorsichtig, bloß nicht auf die in Stroh eingebetteten Pflänzchen treten. Das trockene Stroh soll die Feuchtigkeit im Boden und die Frucht sandfrei halten. Die Abstände zwischen den vielen Reihen sind breit genug. Ein System habe ich nicht: in die Knie und los geht’s. Zuerst bin ich wählerisch, sammele nur die dicken, roten Beeren und lege sie behutsam in mein Körbchen. So kullern nach fünf Minuten ganze neun Erdbeeren durch den Korb.

Schmutzige Hände und rote Sohlen

Ein paar Schritte weiter rupft ein älterer Mann mit flinken Fingern an den Pflanzen, schmeißt ein paar Sekunden später eine Handvoll in seinen Eimer. „Die Saison ist bald vorbei, wenn nicht bald der Regen kommt“, murmelt er und blickt in den wolkenlosen Himmel. Schatten gibt es hier nicht, die meisten Besucher rücken ihre Schirmmützen zurecht, bevor sie anfangen.

Nach ein paar Minuten habe ich den Bogen raus, denke ich zumindest. Die besten Exemplare verstecken sich unter der Blätterdecke, aber auch die kleinen Beeren schmecken süß und fruchtig. Mit einer Hand halte ich die buschigen Blätter beiseite, mit der anderen pflücke ich zwei, drei Erdbeeren auf einmal – groß und klein, schön und krumm. Jedem Abrupfen folgt ein ploppendes Geräusch, als wenn sich der Korken einer Weinflasche mit einem Ruck löst.

Als mein Körbchen so gut wie voll ist, trete ich den Rückweg an, mit rot-gefärbten Sohlen und schmutzigen Händen. Maike Buchmann, die in ihrem grünen Häuschen schon zu warten scheint, nimmt meine Ausbeute an sich und legt sie auf die Waage – 6,80 Euro muss ich zahlen, das Körbchen darf ich behalten. Was ich wohl damit anfange? Marmelade kochen, Erdbeerkuchen, vielleicht Sorbet? Nein, Arbeit hatte ich schon genug. Zwischendurch mal Naschen, schmeckt eh viel besser.

EURE FAVORITEN