Ein Abschied in Dankbarkeit

Margret Brüring
Vor zehn Jahren hatte er sich bewusst für die Arbeit in der evangelischen Kirchengemeinde Ringenberg-Dingden entschieden. Jetzt geht Pfarrer Dr. Norbert Ittmann in den Ruhestand.
Vor zehn Jahren hatte er sich bewusst für die Arbeit in der evangelischen Kirchengemeinde Ringenberg-Dingden entschieden. Jetzt geht Pfarrer Dr. Norbert Ittmann in den Ruhestand.
Foto: WAZ FotoPool

Hamminkeln.  Der Blick zurück erfüllt ihn nicht nur mit Wehmut, sondern auch mit großer Dankbarkeit. Für seine letzten Berufsjahre hatte sich Pfarrer Dr. Norbert Ittmann ganz bewusst für die Arbeit in einer Gemeinde entschieden.

Zehn Jahre ist das jetzt her. Eine Zeit, die der 65-Jährige nicht missen möchte, nicht zuletzt, weil ihm die Menschen in der evangelischen Kirchengemeinde Ringenberg-Dingden mit so viel Herzlichkeit und Offenheit begegnet sind. Am zweiten Adventsonntag wird er in einem Gottesdienst in Ringenberg verabschiedet.

Gehörlosen-Gemeinde

„Es ist eine Zäsur, ein neuer Lebensabschnitt“, weißt der Theologe. Schließlich sind die ersten Verabschiedungen schon erfolgt. Bei der Frauenhilfe war er bereits, ebenso bei den Konfirmanden und gerade erst hat er bei der Gehörlosen-Gemeinde in Wesel Adieu gesagt. Das Amt dort übernahm er vor zehn Jahren ebenso wie die Pfarrstelle für Ringenberg und Dingden. In den ersten beiden Jahren hat er die Gebärdensprache gelernt, aber schon von Anfang an versucht, sich ohne Dolmetscher mit den Menschen zu verständigen. „Sie sind sehr freundlich mit meinen Schwächen und Fehlern umgegangen“, erinnert sich Ittmann mit einem Lächeln. Inzwischen hat die Gemeinde sogar einen Gebärden-Chor gegründet, der auch zum Abschied von Norbert Ittmann aufgetreten ist.

So wie ihm in den vergangenen zehn Jahren diese Gemeindemitglieder ans Herz gewachsen sind, so eng verbunden fühlt sich der Pfarrer natürlich auch mit den Ringenbergern und Dingdenern. „Ich habe sie in ihren Entwicklungen begleitet und bin in die Familien hineingewachsen.“ Diesen unmittelbaren Kontakt mit der Basis hatte er sich gewünscht, als er nach 17 Jahren als Schulreferent im Kirchenkreis Aachen/Jülich und drei Jahren als Studienleiter der Stadtakademie Düsseldorf auf die Stelle am Niederrhein beworben hatte. „Ich musste viel lernen“, gesteht Ittmann, denn durch seine Lehrtätigkeit konnte er auf keinen Fundus im Pfarrdienst zurückgreifen. Zwei Jahre habe er ordentlich geackert, erzählt er. Aber es sei total spannend und faszinierend gewesen, wie die Ringenberger und Dingdener mit ihm umgegangen seien und ihn bei seinem Erfahrungsprozess begleitet hätten. „Sie haben sich auch auf Neues eingelassen“, blickt der Pfarrer zufrieden zurück und zählt den ökumenischen Erntedankgottesdienst auf dem Hof Bruckmann, die Gemeindefeste mit dem Auftritt der Sketch-Gruppe (der auch Ittmann angehört) und die Familiengottesdienste ebenso auf wie den jährlichen Ausflug mit dem Presbyterium.

Gottesdienst am 2. Advent

Von alledem heißt es nun Abschied nehmen. Dies tue er mit einem starken Gefühl der Dankbarkeit, sagt Ittmann. Es sei schön zu spüren, dass man mit der Gemeinde unterwegs gewesen sei und zum Wachsen der Gemeinde beigetragen habe. „Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens“ (Jean-Baptiste Massilon) wird deshalb auch das gedankliche Motto des Abschiedsgottesdienstes am 8. Dezember sein.

Was Pfarrer Ittmann künftig vermissen wird? Den sonntäglichen Gottesdienst und die Begegnungen mit den Menschen, sagt er ganz spontan. Doch ganz verabschieden wird sich der 65-Jährige nicht. Zwar sind er und seine Frau bereits aus dem Pfarrhaus ausgezogen, doch sie haben in Hamminkeln ein neues Zuhause gefunden. „Meine Frau ist im Kirchenchor und in der Frauenhilfe. Das wird mich immer wieder hierher zurückführen“, da ist er sich sicher. Der Niederrhein, der dem Paar zunächst fremd war, ist beiden ans Herz gewachsen. „Hier gibt es noch viel zu entdecken. Das macht den Abschied leichter.“


Der Abschied von der Gemeinde bedeutet für Dr. Norbert Ittmann nicht den Rückzug aus der theologischen Arbeit. Er wird gleich auf mehreren Ebenen der Erwachsenenbildung weiter für den Kirchenkreis Wesel tätig sein.So setzt er beispielsweise seine 25-jährige Tätigkeit in der Ausbildung der Prädikantinnen und Prädikanten fort. Die Pfarrstelle in Ringenberg und Dingden wird zum 1. Dezember nicht verwaist bleiben, auch wenn sie nicht komplett besetzt wird. Udo Schmitt, Pfarrer in Wertherbruch, hat den Auftrag für eine halbe Stelle erhalten. Um die Abstriche für die Gemeinde gering zu halten, hat sich das Presbyterium entschieden, eine Gemeindesekretärin einzustellen. Sie hat ihren Dienst schon zum 1. November angetreten.