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Es gibt sie in sämtlichen Größen und zu Ostern auch in sämtlichen Farben: Eier
Es gibt sie in sämtlichen Größen und zu Ostern auch in sämtlichen Farben: Eier
Foto: FUNKE Foto Services / Gerd Herma
Auf dem Geflügelhof Willing in Hamminkeln legen rund 3700 Hühner der Rasse „Lohmann“ rund 3500 Eier pro Tag. Ein Besuch.

Hamminkeln..  Dieser Name: „Lohmann Braun“ - Man stellt ihn sich als Sachbearbeiter vor; in Anzug, weißem Hemd und biederer Krawatte am Schreibtisch, womöglich in der Schadensregulierung einer Versicherung. Stattdessen stakst er durchs Heu, gluckst und gackert, und pickt neugierig in die Schuhe des fremden Gastes.

Lohmann Braun ist quasi das Quarz-Uhrwerk unter den Nutztieren - „vernünftige Eier, gute Legeleistung“, sagt Lukas Willing, während er im Sortierraum steht und dem Transportband zusieht, wie es direkt aus dem Stall nach vorne liefert, was Lohmann Braun hinten produziert hat.

Diese Zuverlässigkeit braucht Deutschland vor und während der Ostertage. Gehört das ovale Naturerzeugnis während des gesamten Jahres ohnehin zu den beliebtesten Nahrungsmitteln, so schraubt sich der Verbrauch um Ostern nochmals deutlich in die Höhe. Ausfälle können sich die Legehennenhalter da nicht leisten. Ein Ei pro Tag pro Huhn sollte es schon sein.

3500 Eier am Tag

„Ah, da sind noch welche“, sagt Lukas Willing. Der 23-jährige hat sich nach Fachabi und einer Ausbildung zum Industriekaufmann entschieden, in die Fußstapfen seines Vaters, Großvaters, Ur-Großvaters und Ur-Ur-Großvaters zu treten, der den Hof einst aufgebaut hat. Also ließ er sich zum Landwirt ausbilden. Nun steht er vor einem weiteren Stall, lugt durch die Klappe aufs Transportband und sieht, wie drei braune Eier in seine Richtung gleiten.

Rund 3700 „Lohmann Brauns“ leben ständig auf dem Geflügelhof der Familie Willing in Dingden an der Borkener Straße. Sie legen durchschnittlich 3500 Eier pro Tag und sorgen so dafür, dass der Geflügelfarm auch außerhalb der Ostertage nicht die Haupteinnahmequelle ausgeht. Die übrigens direkt an den Endverbraucher geht. In Supermärkten liegen die Willing­schen Eier nämlich nicht: Sie werden vom Hof verkauft, oder vom Wagen, mit dem Lukas’ Vater Wilhelm gerade in Dingden unterwegs ist und die Kunden an der Haustür beliefert.

Es gibt sie in S, M, L und XL

„Um Ostern steigt die Nachfrage natürlich noch mal deutlich an“, sagt Lukas Willing. Mehr Eier gibt es deshalb aber nicht. Ein Huhn - ein Ei pro Tag, lautet die - rein natürliche - Rechnung, die am besten und vor allem: zum richtigen Zeitpunkt aufgeht, wenn die Hühner jung auf den Hof kommen. Wie viele Eier ein Hof seinen Kunden vor den Feiertagen bieten kann, ist so eine Frage des Timings. Anfang des Jahres wird eingestallt, das heißt, die Hennen kommen von den Aufzuchtbetrieben auf die jeweiligen Höfe. 18 oder 19 Wochen alt sind sie dann und legen wenige bis keine Eier. Das ändert sich aber einige Wochen später - pünktlich zur beginnenden Ostersaison.

Lukas’ Mutter Brigitte Willing steht am Ende des Transportbandes. Durch ihre Hände gehen so ziemlich alle Eier, die Lohmann Braun an einem Tag gelegt hat. Knickeier werden sofort aussortiert, genauso wie Schmutzeier. In sämtlichen Größen sammeln sie sich im Auffangbecken: S, M, L, XL - wie in der T-Shirt-Fabrikation werden die Naturprodukte klassifiziert. „Für die Ostertage eignen sich am besten M- und L-Eier“, erklärt Brigitte Willing, während sie die nächsten in die Pappbehälter legt. „Die haben die festesten Schalen.“ Rund viereinhalb Monate alt seien die Hühner dann und sozusagen auf dem Höhepunkt ihrer Legeleistung angelangt. Je älter die Hühner, desto dünner und rauer werde die Schale.

Über Monate haltbar

Einen Teil der Eier färbt die Familie selbst. Den anderen bringt sie in die Färberei. Dort werden sie gekocht, gefärbt und haltbar gemacht - sehr haltbar. Die Farbe schließe die Poren und wirke wie eine Schutzschicht, erklärt Lukas Willing - „wie eingeschweißt, so kann das Ei nicht kondensieren“. Über Monate seien sie dann haltbar. Ein Kunde habe lange nach Ostern im Schrank einen Karton mit gefärbten Eiern gefunden. „Er sagt, die hätten noch geschmeckt.“ Mehr als 3200 Eier bekommen derzeit in einer Färberei den bunten Anstrich verpasst.

Unaufhörlich liefert das Band ein Lohmannsches Naturprodukt nach dem anderen. Dass sich unter den bevorzugt braunen Eiern nun auch mehr und mehr weißschalige tummeln, hat einen bestimmten Grund: „Die nehmen die Farbe besser auf. Die Eier glänzen dann mehr“, erklärt Brigitte Willing. Darum stalle man vor Ostern auch immer mehr Hühner ein, die weiße Eier legten. Rund 900 sind es derzeit. Ob die nun Lohmann Weiß heißen?

Durchschnittlich 231 Eier verdrückt laut Marktinfo Geflügel & Eier jeder Deutsche im Jahr. Bei Lukas Willing sind es im Schnitt vier pro Tag, macht 1460 Eier pro Jahr. Probleme mit verkalkten Arterien habe er aber nicht, sagt der Jungbauer und lacht. Der Cholesterinwert sei noch im grünen Bereich.

Knickeier sind Hühnereier, die kleine Risse oder Knicke in der Schale haben. Das passiert häufiger bei älteren Hühnern, da die Schale dünner und somit anfälliger ist. Rund 85 Knickeier fallen durchschnittlich pro Tag auf dem Geflügelhof an. Sie dürfen nicht verkauft werden und werden aussortiert.

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