Die Weseler Grünen luden die Bürgermeisterkandidaten ein

Weniger Autos in der City - die Kandidaten haben unterschiedliche Vorstellungen, wie das zu erreichen ist.
Weniger Autos in der City - die Kandidaten haben unterschiedliche Vorstellungen, wie das zu erreichen ist.
Foto: Johann Ridder WAZ FotoPool
Ulrich Gorris und Co. testeten die Bürgermeisteranwärter. Das war eine erhellende Veranstaltung, aber nur wenige kamen. Verschiedene Themenfelder wurden angesprochen und diskutiert.

Wesel..  Draußen vor der Tür stünden neben vielen Autos nur zwei Fahrräder - das war eine Spitze aus dem Publikum gegen die Grünen während ihrer Veranstaltung im Lippeschlößchen, bei der sie herausfinden wollten, wie nahe ihnen die Bürgermeisterkandidaten der anderen Parteien stehen. Es blieb fast der einzige Seitenhieb, ansonsten hatte man den Eindruck: Die werden sich nach der Kommunalwahl in vielen Punkten gut verstehen.

Ein Themenfeld bei nur mäßigem Besuch: Verkehr. Norbert Segerath (Die Linke) sieht die Aufhebung der Benutzungspflicht für Radwege als problematisch an, Jürgen Linz (CDU) fordert angesichts bestehender Verunsicherung „viel mehr Aufklärung“ darüber.

Car sharing (ein Auto wird von mehreren Personen genutzt) strebt Ulrike Westkamp (SPD) an. Segerath will durch das Abstimmen von Bus- und Bahn-Fahrplänen die Zahl der Pendler-Autos reduzieren und Lkw aus der Innenstadt verbannen, Manfred Schramm (Piraten) eine „intelligente Vernetzung“ quasi vom Schiff bis zum Fahrrad. Spezielle Busangebote für sportliche oder kulturelle Veranstaltungen schlägt er vor.

Folgen des Internets

Für alle ein Thema: Der zunehmende Lieferverkehr durch immer mehr Online-Handel. Vielleicht könnte man zur Lösung Verteillager am City-Rand schaffen, meinte Schramm. Und: Kunden sollten bei den Händlern auch Online-Bestellungen abholen können.

Unterschiede gab es in Sachen Aue. Keine kommerzielle Nutzung des Sees war der Tenor, aber Kommerzialisierung als Schlagwort könne auch „Dinge kaputt machen“, meinte Linz. Ruhe und Wassersport seien nebeneinander möglich. Segeraths Bezeichnung des Segelns als elitär, stieß auf Ablehnung. „Der Standort macht Sinn“, sagte Schramm zum angedachten Jollenhafen - aber nur als Naturhafen. Jollen müssten dort deponiert werden können. Ulrike Westkamp votierte gegen ein Jugendgästehaus im Aue-Bereich: „Am Lippe-Hafen gibt es schon eines.“

Für Windkraft werde es in Wesel nur wenige geeignete Flächen geben, erwartet Ulrike Westkamp. „Möglichst viele Windräder am Pettenkaul machen wir nicht mit“, so Linz. Schramm und Segerath setzen auf die verstärkte Nutzung von Erdwärme.

Mehr Gewerbeflächen

Während die Grünen auf die Beschränkung des Flächenverbrauches drängen, meint Segerath, „in bestimmten Fällen“ müsse man „Flächen opfern“. Westkamp und Linz sehen die Notwendigkeit weiterer Gewerbeflächen. Mittelfristig solle es ein neues Gewerbegebiet in Richtung Autobahn geben, so die Bürgermeisterin. Die Kritik aus Büderich, mit den dortigen Gewerbeflächen habe es zu lange gedauert, teilten beide Politiker. Vielleicht sei der Stadtrat zu groß, meinte ein Zuhörer, „es wird alles zerredet“.

Statt eine „Deadline“ beim Kiesabbau zu setzen, wie die Grünen es wollen, will Westkamp Auskiesungen an deren Nachhaltigkeit koppeln. Ein „begleitendes zukunftsfähiges Konzept“ fordert Schramm, der „nicht jetzt schon weitere Auskiesungsrechte vergeben“ will.

Die inklusive Gesellschaft, weiteres Themenfeld der Grünen, „leben wir nicht“, kritisiert Schramm. Zum Thema Kinderarmut forderte Schramm, etwa mit so genannter aufsuchender Hilfe „bei den Eltern anzusetzen“. Wenn die Kinder erst mal in der Welt seien, sei es schon zu spät. Er forderte, den „Wust an Leistungen“ für Familien an einer Stelle (Sozialamt) zusammenzufassen.

Segerath kritisierte die Schließung von Förderschulen. Eine weitere Gesamtschule in Wesel fänden er und Schramm gut, Linz und Westkamp nicht. Die SPD-Kandidatin denkt eher an eine Erweiterung der Lauerhaas-Schule. Schramm rechnet mit einer Sekundarschule.

 

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