Die Spannung steigt

Das Strommuseum des Turmvereins in Damm wird in Kürze eröffnet. Foto: Franz Meinert
Das Strommuseum des Turmvereins in Damm wird in Kürze eröffnet. Foto: Franz Meinert
Foto: WAZ FotoPool

Schermbeck.. Der weiße Turm sollte eigentlich nicht mehr stehen. Der ehemalige Besitzer, der Stromlieferant RWE, hatte für das Gebäude keine Verwendung mehr. Doch die Dammer hängen an dem von weitem gut erkennbaren Gebäude. Für sie ist es das Wahrzeichen des Schermbecker Ortsteils. Für sie ist es ein Denkmal, das für die Geschichte der Elektrifizierung der Region steht, denn mit der Trafo-Station kam vor gut 100 Jahren die Elektrizität nach Damm.

Der Turm war nicht nur für die Stromzufuhr wichtig, die Schützen haben ihn vor einigen Jahren zu ihrem Aushängeschild gemacht, in dem sie eine Seite des Turm mit ihrem Zeichen, dem Ochsen, verziert haben. Jeder Dammer weiß, wenn er den Turm sieht, ist er wieder Zuhause, sagen sie. Und als die Abriss-Pläne bekannt wurden, kamen aus Reihen der Schützen die ersten Pläne. Klar war, der Turm darf nicht weichen. Und so fand sich eine Gruppe, die das rund 100 Jahre alte Gebäude nicht nur erhalten, sondern auch nutzen will: als kleinstes Strommuseum der Welt.

Hermann Göbel, der den Dammer Turmverein mitgründete, musste nicht lange suchen. Schnell meldeten sich weitere Interessierte, die sich für die Trafo-Station einsetzen wollten. Ihnen es geht darum die Geschichte, wie es mit der Elektrifizierung anfing, zu bewahren. Und so wurde die Idee geboren, in dem Gebäude an der Straße Zum Elsenberg ein Museum zu einzurichten. Freitag ist es soweit, dann wird es um 11 Uhr offiziell eröffnet.

Viel Platz ist in dem Turm zwar nicht, doch er reicht, um mit Fotos und Ausstellungsstücken wie Bügeleisen und Grammophone einen Blick auf die Strom-Geschichte zu werfen. „Wir wollen von der Neuzeit bis 1911 zurückschauen“, erklärte Vereinsvorsitzender Hermann Göbel bei der Schlüsselübergabe im Dezember 2009. Seit dem sind einige Exponate dazugekommen: Alte Radios wurden dem Verein zur Verfügung gestellt, ebenso Telefone.

Eine Bohrmaschine
aus dem Jahre 1911

Mit dem Strommuseum in Recklinghausen wurde Kontakt aufgenommen, entwickelte sich eine gute Zusammenarbeit. Einen Ehrenplatz haben die Vereinsmitglieder für das Stopflicht des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer gefunden. Dazu kann der Verein historische Prüfgeräte und alte Brennscheren präsentieren. Eine Bohrmaschine aus dem Jahre 1911 ist bislang das älteste Exponat.

Von den RWE-Verantwortlichen wurden die „Türmer“ zunächst belächelt, doch schnell stand auch in der Vorstandsetage fest, dass dahinter mehr steckt als ein fixe Idee. Und so werden diejenigen, die sich künftig um die ehemaligen Trafo-Stationen kümmern, unterstützt. Einen Teil der Kosten, die das Unternehmen für den Abriss hätte bezahlen müssen, haben die Dammer zum Beispiel als Anschubfinanzierung erhalten.

Die weißen Bauwerke sind nicht selten am Niederrhein. Rund 20 dieser Türme gibt es noch in Wesel, Hamminkeln, Hünxe und Schermbeck, zwischen Duisburg und Kleve sind es noch etwa 110. Mittelfristig werden sie alle aufgegeben. Weil Freileitungen störungsanfälliger sind, verlegt RWE die Kabel auch im ländlichen Bereich nach und nach in der Erde.

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