Die Routiniers der Lüfte

Reiner Teves bereitet den Flieger für den Start.
Reiner Teves bereitet den Flieger für den Start.
Foto: WAZ FotoPool

Hamminkeln..  Flugzeuge basteln ist was für Jungs. Für kleine vom großen Fliegen träumende. Wenn das denn stimmt, muss man es ergänzen: Auch gestandene Männer gehen im Winter in den Keller, um die Ergebnisse im Sommer gen Himmel zu schicken.

Sogar bis sie 70 oder über 80 sind, wie in Dingden. Einmal die Woche treffen sich fünf oder sechs ältere Herren am Langenhoffsweg, nahe den Windrädern in Nordbrock. Der Ort an der großen Wiese ist ein bisschen versteckt - als gäbe es hier etwas Geheimnisvolles. Vor einer Hütte sitzen einige reifere Herren und eine Dame. Ihren lockeren Plausch stört das Motorengeräusch kaum, das von der Wiese kommt. Ein Düsenjäger zieht dort seine Runden.

Der „Pilot“ heißt Dr. Axel Eickhoff und ist mit 63 Jahren der Jüngste in der Runde. Per Fernbedienung steuert er den Miniaturflieger. „Wir sind eine kleine, gemütliche Truppe“, sagt der Geschäftsführer des Flugmodell-Sportvereins, der Zahnarzt war. Er ist einer von denen, die hier in Dingden gelandet sind, obwohl sie in Mülheim oder Essen wohnen. Teils durch Zufall sind sie hierher geraten, teils auch, weil die Bedingungen für ihr Hobby zu Hause problematisch sind - wegen des Lärms oder des weiten Anweges zu Fuß, über den sie ihre 14 bis 18 Kilo schweren Modellflugzeuge dort schleppen müssen.

Spielzeug bis ins Alter

Dietmar Deichsel zum Beispiel. Seine Familie wurde 1945 aus Breslau vertrieben, gelangte im Viehwaggon nach Bayern, wohnte am Fliegerhorst und staunte über die vielen Schrottflugzeuge dort. 1948, da war er acht, durften die Deutschen wieder Modellflieger aufsteigen lassen. „Jeden Sonntag kamen die zu dem Gelände nahe Landshut, und ich kam von dort nicht pünktlich zum Mittagessen heim.“ Aus dem Holz von Obstkörben und dem dünnen Papier, in das damals die Fischdosen eingepackt waren, bastelte Dietmar Deichsel seine ersten Flugzeuge. Mit 19 kaufte er den ersten Motor für ein nun professionelleres Modell - und lernte dabei seine Frau kennen, die ihn nach Dingden begleitet, wohin er seit 30 Jahren aus Essen pendelt. Der Modellflug ist „bis heute mein Spielzeug geblieben“, sagt der 73-Jährige, der ein Fly Baby, eine Me 35 und einen Doppeldecker mit 2,20 Metern Spannweite fliegt, aber noch lieber bastelt.

Leo Staffa hat drin gesessen, im Flieger: Im Krieg als Flugschüler der Luftwaffe, Anfang der 50er Jahre im Segelflugzeug in Mülheim, wo der gebürtige Sudetendeutsche heute lebt. Auch er ein begeisterter Modellbastler - seit er 13 war. Die Sekretärin eines Kunden in Dingden erfuhr im Gespräch von seinem Hobby und gab ihm eine Telefonnummer. So entstand der Kontakt zu den Modell-Sportfliegern. Seither nimmt der 86-Jährige die 50 Kilometer hin und zurück in Kauf. Für Fahrgemeinschaften lassen die Flugzeuge im Auto keinen Platz.

„Die soziale Komponente dieses Treffs ist immer wichtiger geworden“, sagt Dr. Axel Eickhoff, der sich sorgt, dass hier 180 Meter hohe Windräder entstehen und das Fluggelände bedrohen könnten. Aber jetzt, während Dietmar Deichsel die Truppe fürs Internet filmt, warten alle erst einmal darauf, dass das Grillfleisch fertig ist.

Um Nachwuchs bemüht sich der rund 70 Mitglieder zählende Flugmodell-Sportverein in Dingden. Am kommenden Samstag haben Jungen und Mädchen zwischen etwa zwölf und 17 Jahren Gelegenheit, das spannende Hobby kennenzulernen.

Um 10 Uhr startet dann auf dem Modellflugplatz am Langenhoffsweg das in der Fliegersprache so genannte „Briefing“ - die Einweisung zum Thema Fliegen. Jugendleiter Wolfgang Strzeletz und die Fluglehrer lassen die Nachwuchs-Piloten auch an den Steuerknüppel und basteln mit ihnen mit Materialien, aus denen Modellflieger gebaut werden.

Die Teilnahme ist kostenlos, es gibt Essen und Trinken und um 17 Uhr ein Diplom.
Mehr: www.fmsv-dingden.de

 

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