Die neue Lippeaue in Wesel

So ist der Niederrhein: viel Grün, viel Wasser. Die Lippeaue soll sich zu einem Refugium für die Natur entwickeln.
So ist der Niederrhein: viel Grün, viel Wasser. Die Lippeaue soll sich zu einem Refugium für die Natur entwickeln.
Foto: WAZ FotoPool
Von oben betrachtet wirkt das Areal zwischen Lippe­schlösschen und Rheinbrücke wie eine Seenlandschaft, dabei ist alles im Fluss. Die Lippe kann sich wieder richtig entfalten, das enge Korsett, vor über 30 Jahren von Menschenhand geschaffen, ist Vergangenheit.

Wesel..  Von oben betrachtet wirkt das Areal zwischen dem Lippe­schlösschen und der Rheinbrücke wie eine große Seenlandschaft, dabei ist hier alles bestens im Fluss. Die Lippe kann sich nun wieder richtig entfalten, das enge Korsett, vor über 30 Jahren von Menschenhand geschaffen, ist Vergangenheit. Gestern wurde die neue Lippemündungsaue offiziell eingeweiht. NRW-Umweltminister Johannes Remmel baute den Termin in seine Sommertour unter dem Motto „Wildes NRW“ ein und geriet gleich ins Schwärmen. Beim Blick auf das Wasser sei ihm der Film „Aus der Mitte entspringt ein Fluss“ mit Robert Redford in den Sinn gekommen, wo zwei Brüder der Leidenschaft Fliegenfischen frönen.

Fliegenfischen, das könnte man sicher auch hier prima, doch dafür ist die neu geschaffene Aue nicht gedacht. Denn die Natur soll sich auf einer Länge von zweieinhalb Kilometern nach und nach ihren Raum zurückerobern. Und die Lippe kann sich in einen lebendigen Fluss zurückverwandeln, wie Bürgermeisterin Ulrike Westkamp sagte. Sie erinnerte daran, dass weder die Rheinbrücke noch die geplante Südumgehung Wesels ohne diese Veränderungen möglich wären. Denn die Umgehungsstraße soll oberhalb der Stelle verlaufen, wo einst die Lippe floss und die jetzt verfüllt ist.

19 Millionen Euro

Während oben an der Bundesstraße 8 das Geräusch der vorbeifahrenden Autos dominiert, ist es unten am Fluss das Plätschern des Wassers, das sich seinen Weg über zahlreiche Steine bahnt. Kanuten freuen sich über das neue Angebot während Ruderer mit ihren Booten keine Chance mehr haben, diesen Teil zu nutzen. Das Areal lade zum Genießen der neu entstehenden Natur ein, so Remmel, der die Lippe zwischen Paderborn und der Mündung in den Rhein als Landesgewässer von besonderer Bedeutung bezeichnet. Es gehe um unser Naturerbe und unseren Schatz vor der Haustür. Da seien die Auen das Refugium Nummer eins. Deshalb wird es hier auch keine Wege geben, all

enfalls ein Radweg könnte den Bereich demnächst für Interessierte erschließen.

19 Millionen Euro wurden in den letzten fünf Jahren verbaut, die Landesmittel stammen aus dem Wasserentnahmegeld. So entstanden 76 Hektar Aue. Die Weseler Firma Hüls­kens, die auskieste und gestaltete, bewegte 1,5 Millionen Kubikmeter Erde, die zum Großteil für der Verfüllung der Abbauflächen benutzt wurde. Etwa 60 Tage im Jahr soll der zentrale Auenbereich nun unter Wasser stehen, die äußeren Flächen werden rund 20 Tage überflutet sein. Erst kurz vor der Mündung wird die Lippe wieder in ihr altes Bett zurückgeführt, was wegen der Rheinschifffahrt nötig ist. Dort gibt es eine 64 Meter lange und 45 Meter breite Sohlengleite, die den Unterschied von 2,75 Meter zwischen dem höher gelegten Lippebett und dem Rhein ausgleicht, so Dr. Jochen Stemplewksi, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbands, der von der Lippe als Kinderstube für Jungfische sprach.

Am Ende wurde am Rande leicht aufgeforstet: Vier Silberweiden sind der Grundstein für den weiteren Bewuchs.

 
 

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