Die Natur kommt zurück

Lippe mit Überschwemmungsbereich und dem Lippeschlößchen.
Lippe mit Überschwemmungsbereich und dem Lippeschlößchen.
Foto: Peggy Mendel
Davon überzeugten sich heute Politiker aus der Region. Es ging dabei um Rekultivierungsmaßnahmen nach Auskiesungen. Die Reise führte unter anderem auch noch zum Auesee und zum Diersfordter Waldsee.

Wesel..  Beim Hochwasser der zurückliegenden Tage wurde es richtig deutlich: Die Lippe verlässt ihr Bett noch stärker als es bislang ohnehin schon der Fall war. Den Autofahrern auf der B 58 und der B 8 zeigte sich ein See in bislang nicht gekannter Größe. Das soll so sein, denn der von der Firma Hüls­kens neu gestaltete Lippemündungsraum dient auch dem Hochwasserschutz. Etwa 150 Hektar misst die Überflutungsfläche, die mittlerweile zu großen Teilen wieder frei ist.

Das Weseler Unternehmen ist im Lippemündungsraum sozusagen zu Hause. Ende der 50er Jahre baute es hier den Ölhafen. Die Erdmassen, die dabei anfielen, wurden gleich nebenan nach einer Auskiesung wieder eingebaut, weiß Geschäftsführer Jörg Hüting, der gestern eine Delegation hiesiger Politiker bei einer Fahrt mit dem Planwagen durchs Gelände begleitete.

Radweg geplant

Einige Bereiche an der Flutungsfläche sind absolut hochwasserfrei, denn sie liegen bei 24,50 Meter wie Hüting erläutert. Er zeigt auch auf die Straße mit den Laternen, die hier entlangführt. „Wie auf Mallorca“, sagt er, „es fehlen nur noch Bänke und Papierkörbe.“ Doch die könnten auch bald kommen. Denn das Areal, das sich selbst überlassen wird, sprich: es gibt keine Anpflanzungen, soll vielleicht schon im nächsten Jahr von einem Radweg durchzogen werden, damit auch der Mensch etwas von der Natur hat, die sich hier nach und nach wieder durchsetzt.

Jede Menge Wasservögel genießen die Ruhe hier, ob Enten, Schwäne, Gänse oder Möwen. Lkw und Planwagen scheinen sie zu ignorieren, denn das ist für sie normal. Auch die beiden Rehe auf einer nahen Wiese stören sich nicht an den Gästen und grasen einfach weiter. Hier wird sichtbar, dass sich die Natur noch während der Bauphase ihren Bereich zurückerobert hat. Und das, obwohl es sich laut Hüting eine gewisse Zeit lang um die größte Erdbaustelle Deutschlands handelte.

1000 Jahre alte Eichen

Zwischen dem Gewerbegebiet und der Stadt entsteht ein naturschutzwürdiges Gebiet, das bereits von der Biologischen Station begleitet wird. Wieder freigelegt wurde auch der alte Isaak, ein früherer Rheinarm, der ganz gerade auf die Stadt zufloss und deshalb in grauer Vorzeit verlegt worden ist. Heute hat er Inseln. An manchen Stellen gibt es deshalb noch den typischen Auenwald mit 1000 Jahre alten Eichen, die zum Teil als Totholz gute Dienste für Insekten und anderes Kleingetier leisten.

Entdeckt wurden hier nicht nur 200 Fliegerbomben aus dem Zweiten Weltkrieg - zur Zeit der schwersten Bombardierungen herrschte Hochwasser -, sondern auch ein Brückenhafen. Dort lagerten die Pontons der Brücke, die vor der Wacht am Rhein zu finden war, während der Winterzeit.

Noch herrscht rund um die Lippe weitgehend Ruhe, doch wenn die Umgehung gebaut wird, ist es damit für lange Zeit vorbei.

 
 

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