Die Kirche als Organisation

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Wesel.  Den christlichen Glauben sieht Thomas Brödenfeld in einer Zeit, in der die Welt aus den Fugen gerät, als Ausweg aus menschlichen Ängsten. Der Superintendent des Kirchenkreises Wesel ging in seiner Rede auf der 180. Kreissynode im Lutherhaus auch auf die Krisenherde ein, die seit Monaten die Weltnachrichten bestimmen. Der überwunden geglaubte Kalte Krieg erlebe eine Auferstehung im blutigen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine. Hier gelte das Recht des Stärkeren, sagte Brödenfeld.

Auch die Menschen in Syrien und im Irak machte er zum Thema. Er rief die Gemeinden auf, sich für die Flüchtlinge einzusetzen. Inzwischen habe es eine Anfrage der Stadt Wesel gegeben, ob der Kirchenkreis über geeignete Immobilien zur Unterbringung der Flüchtlinge verfüge. Dies sei nicht der Fall, doch soll nun an die Gemeindeglieder appelliert werden, Wohnraum zur Verfügung zu stellen, für den die Stadt die Miete zahlt. Auch Deutschunterricht und andere Betreuungsmöglichkeiten werden in Erwägung gezogen.

Austritte steigen an

Eine Studie zur Evangelischen Kirche, die alle zehn Jahre erhoben wird, beschäftigte die Synode ebenfalls. Ein Ergebnis: Immer mehr sehen die Kirche nicht mehr als Institution, sondern als Organisation. Eine Organisation, die man wechseln kann wie den Stromanbieter. Nach wie vor gibt es viele Kirchenaustritte, was teils mit der Abgeltungssteuer zusammenhänge. Waren es bislang rund 60, 70 der rund 40000 Protestanten im Kirchenkreis, die der Kirche jährlich den Rücken kehrten, werden diesmal um die 100 erwartet. Dennoch: 15 Prozent der Gläubigen sind sehr engagiert, vor allem die so genannten jungen Alten. Mit neuen Gottesdienstformen würden auch neue Menschen in Kirchen und Gemeindehäuser gelockt. „Kirchenmusikalische Angebote strahlen weit über die Grenzen der Kerngemeinde hinaus“, sagt Thomas Brödenfeld.

Schon jetzt beschäftigt sich der Kirchenkreis mit zwei Jubiläen. 2015 wird die Evangelische Kirchengemeinde Wesel 475 Jahre alt. Mit einzelnen Veranstaltungen soll an Ostern 1540 erinnert werden. 500 Jahre Reformation werden 2017 begangen. Es soll ein Jahr der Freude und der Befreiung sein, so stellt es sich der Superintendent vor. Man wolle keine konfessionellen Gräben aufreißen oder vertiefen, aber es handele sich nun einmal um ein evangelisches Jubiläum. Und manches Mal gebe es schon Unterschiede zwischen Protestanten und Katholiken. So sei im evangelischen Glauben das Abendmahl eines Geschiedenen und erneut Verheirateten eine Selbstverständlichkeit.

 
 

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