Die dunkelste Nacht der Geschichte

Den Alltag der Kinder im Ghetto schilderte das Ensemble Draj im Bühnenhaus.
Den Alltag der Kinder im Ghetto schilderte das Ensemble Draj im Bühnenhaus.
Foto: WAZ FotoPool
Bei der Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Reichspogromnacht im Weseler Bühnenhaus erzählte das Ensemble Draj über die Kinder im Ghetto.

Wesel..  Von der dunkelsten Nacht in der deutschen Geschichte sprach Bürgermeisterin Ulrike Westkamp bei der Gedenkveranstaltung zur so genannten Reichspogromnacht am Sonntag im Städtischen Bühnenhaus. Die unfassbaren Gräueltaten der Nazis hätten sich vor den Augen aller abgespielt. „Aus Freundschaft und Nachbarschaft wurde Feindschaft und Gleichgültigkeit, manchmal sogar Hass“, so Westkamp vor rund 100 Besuchern, die der Einladung der Stadt und des Jüdisch-Christlichen Freundeskreises gefolgt waren. „Nicht alle, aber sehr viele haben mitgemacht“, ergänzte Paul Borgardts, Leiter des Bühnenhauses. „Es scheint, dass die humanitäre Basis in Krisenzeiten sehr dünn ist.“

Das Ensemble Draj erzählte die Geschichte jüdischer Kinder unter dem nationalsozialistischen Terror. Die Klezmer-Gruppe aus Deutschland hat mit Liedern in jüdischer Sprache internationale Anerkennung erreicht. In ihrem aktuellen Programm mit dem Titel „Kinderjorn“ (Kinderjahre) haben fast alle Lieder einen Bezug zur Zeit des Nationalsozialismus.

Banale Dinge des Alltags

Das tägliche Leben der Kinder im Ghetto, mit seinen mal banalen, mal anrührenden Erlebnissen hat das Ensemble nicht ohne Grund zum Kernthema seines neuen Programms gewählt. „Es geht immer um die Geschichte. Aber es sind die Geschichten des Alltags, die uns die Geschichte näher bringt“, erklärte Sängerin Manuela Weichenrieder. Geschichten von der ersten Liebe, von der Angst, die nächste Miete nicht bezahlen zu können oder von der Kraft der Sprache, die der Rabbi lehrt.

Dabei vermittelt die Musik des Ensembles alles andere als Trostlosigkeit. Im Gegenteil: Manuela Weichenrieder strahlt mit ihrem Gesang, unterstützt von Ludger Schmidt (Cello) und Ralf Kaupenjohann (Akkordeon) eine ansteckende Fröhlichkeit aus. Die Musik des Trios wirkt wie ein Versprechen aus Zuversicht in Zeiten der Hoffnungslosigkeit.

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung unternahmen die Teilnehmer den traditionellen Lichtergang zum jüdischen Mahnmal am Willibrordi-Dom.

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