Deutschkurse eröffnen Perspektiven für arbeitslose Migranten

Michael Müller, Geschäftsführer Jobcenter Kreis Wesel (li.) und Gerburg Dicks, Bereichsleiter Jobcenter, im Gespräch mit Kursteilnehmern.
Michael Müller, Geschäftsführer Jobcenter Kreis Wesel (li.) und Gerburg Dicks, Bereichsleiter Jobcenter, im Gespräch mit Kursteilnehmern.
Foto: Akademie Klausenhof
Die Integration von Migranten in den Arbeitsmarkt hängt wesentlich von ihren Sprachkenntnissen ab. Mit gezielten Deutschkursen für Zuwanderer, wie beispielsweise an der Akademie Klausenhof in Dingden, sollen die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Jobsuche verbessert werden.

Kreis Wesel.  Die Bilanz der vergangenen fünf Jahre ist beeindruckend: Aus 55 verschiedenen Ländern - von Afghanistan bis Vietnam - stammen die 431 Teilnehmer der Sprachkurse, die in der Akademie Klausenhof in Dingden, in Moers, Dinslaken und Kamp-Lintfort „Deutsch mit Berufsbezug“ gelernt haben. Allen gemeinsam: die Migrantinnen und Migranten aus dem Kreis Wesel waren arbeitslos und haben Arbeitslosengeld II bezogen. „Ohne Sprachkenntnisse haben sie keine Chance auf dem deutschen Arbeitsmarkt“, betonen Dr. Hans Amendt, Leiter der Akademie, und Michael Müller, Leiter des Jobcenters Kreis Wesel.

Ohne Chance

„Wer heute keine Deutschkenntnisse hat, ist aufgeschmissen“, betont Michael Müller. Früher einmal hätte es für einfache Tätigkeiten ausgereicht, doch wer heute eine Arbeit in Deutschland suche, müsse die Sprache sprechen und verstehen. Vor fünf Jahren startete die Akademie Klausenhof in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter des Kreises die Kurse zur Qualifizierung für Migrantinnen und Migranten, die sechs Monate lang dauern und ein vierwöchiges Praktikum einschließen. „Ziel ist der Abbau sprachlicher Defizite, um die berufliche Integration vor allem der Menschen, die schon länger Arbeit suchen, zu ermöglichen“, erläutert Barbara Spannhake, Fachbereichsleiterin im Klausenhof. Mit der erlernten sprachlichen Basis können die Kursteilnehmer die nächsten Schritte gehen und eine weitere berufliche Qualifikation oder auch weitere Praktika absolvieren. Die Erfahrung zeige, dass die meisten Teilnehmer am Ende des Kurses wesentlich besser mit der deutschen Sprache umgehen können und durch das zu absolvierende Praktikum erste Zugänge zu Betrieben als mögliche Arbeitgeber gewonnen hätten.

Die Kurse werden im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) durchgeführt und vom Europäischen Sozialfonds (EFS) finanziert. Der Leiter des Jobcenters Kreis Wesel, Michael Müller, bewertet dieses Angebot als ein wichtiges Instrument zur Integration von Zuwanderern im Kreis Wesel. Umso überraschter haben die Verantwortlichen reagiert, als jetzt Ende März unerwartet die Finanzierung der Kurse eingestellt wurde. Begründung: die Mittel sind aufgebraucht.

Nicht bis 2015 warten

Für die bisherigen Kooperationspartner stellt sich nicht nur das Problem, dass bereits 18 Teilnehmer für den nächsten Kurs bereit stehen, sondern dass nun in den kommenden neun Monaten kein Angebot stattfinden soll. Der Start für eine neue Programmphase ist erst 2015 vorgesehen.

So lange will man beim Jobcenter nicht warten, kündigt Müller an. Derzeit werde nach Lösungsmöglichkeiten gesucht, um zumindest zwei Kurse finanzieren zu können. Darüber hinaus haben die Akademie und das Jobcenter Kontakt mit den hiesigen Bundestagsabgeordneten aufgenommen, um sie auf diese Misere aufmerksam zu machen. Da vom Finanzierungsende die Sprachangebote für arbeitslose Migranten in mehreren Bundesländern betroffen sind, gibt es mittlerweile auch eine Eingabe an den Bundesrat.

 
 

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