Der Schiffsführer ist der Dumme

Das Lächeln fällt ihm schwer: Christian Dupont verliert wohl sein Schiff.
Das Lächeln fällt ihm schwer: Christian Dupont verliert wohl sein Schiff.
Foto: WAZ FotoPool

Kreis Wesel.  Viele, die am Kanal wohnen oder unterwegs sind, kennen die Eufraat. Immer wieder ist das in den Niederlanden gemeldete Binnenschiff auf dieser Wasserstraße unterwegs. Seit Dienstag nun sitzt es in Emmelsum fest. „Uns ist die Existenzgrundlage entzogen“, sagt Schiffsführer Christian Dupont. „Die haben einfach mein Schiff kaputt gemacht - fertig.“

Möglicher Totalschaden

Wie berichtet, war am Dienstagvormittag bei Verladearbeiten ein 154 Tonnen schweres Getriebe vom Kran in den Laderaum gestürzt und hatte den Rumpf durchschlagen. Jetzt ist der Schiffsführer der Dumme. Inzwischen konnte das teure Spezialgerät aus dem Rumpf der „Eufraat“ entfernt werden, das beschädigte Schiff soll so weit abgedichtet werden, dass es auf Helling nach Duisburg geschleppt werden kann. Wie das laufen soll, und wann, „das entscheiden alles die Experten“, sagt Dupont.

In seinem Maschinenraum steht Wasser, alle Geräte müssen ausgebaut und getrocknet werden. Das beschädigte Stück Rumpf müsste herausgeschnitten und erneuert werden - die Perspektiven für den entnervten Eigner sind denkbar düster.

Das Schiff gehört dem 61-Jährigen. Es ist beinahe 60 Jahre alt und mit 215 000 Euro versichert. „Wenn die Reparaturkosten die Summe überschreitet, wird abgewrackt“, erläutert der Binnenschiffer. Autohalter kennen das: wirtschaftlicher Totalschaden.

Und Dupont? „Ich höre auf. Ich bin 61 und habe 46 Jahre gearbeitet“, sagt er. Eigentlich hatten er und seine Lebensgefährtin noch fünf Jahre weitermachen wollen. „Wir konnten es gemütlicher angehen, uns aussuchen welche Fahrt wir übernehmen und welche nicht. Das hat sich alles jetzt erledigt.“ Schwere Maschinen hat er mit der Eufraat transportiert, außerdem Lebensmittel, Reis, Weizen, Tierfutter - alles Mögliche eben. „Den verlorenen Umsatz von fünf Jahren wird mir niemand ersetzen. Das ist mein Problem, obwohl ich an dem Unfall keine Schuld trage“, sagt Dupont.

Mit dem Schiff hat das Paar auch sein Zuhause verloren. Wie geht es jetzt weiter? „Derzeit leben wir in einer Ferienwohnung in Obrighoven“, erläutert der Schiffsführer. Die Versicherung muss dafür aufkommen, Dupont und seine Lebensgefährtin werden sich eine Wohnung suchen müssen.

Klar, wird das Schiff abgewrackt, bekommt er die Versicherungssumme ausgezahlt. „Wir sind schulden- und abgabenfrei. Das bedeutet, dass das Finanzamt 51 Prozent der Summe für sich fordern wird.“ Das sei in den Niederlanden nicht anders als in Deutschland.

Das abgestürzte Getriebe allein ist weit mehr als eine Million wert, die immer noch pumpenden Privatfirmen werden ebenfalls viel Geld kosten, die Versicherungen streiten noch. Christian Dupont und seine Eufraat stehen hier ganz am Ende der Nahrungskette. Den Letzten beißen die Hunde...