Der 27. Brunnen in Niger ist bald fertig

Erzbischof Pierre Laurent Lompo aus Niamey im Niger mit Frank Seibt und Tatjana Stillger vom Verein „Wir helfen Kindern weltweit“.
Erzbischof Pierre Laurent Lompo aus Niamey im Niger mit Frank Seibt und Tatjana Stillger vom Verein „Wir helfen Kindern weltweit“.
Foto: Funke Foto Services
Das Geld kommt vom Niederrhein: „Wir helfen Kindern weltweit“ und „Aktion pro Humanität“. Erzbischof Pierre Laurent Lompo berichtete vom Fortgang der Arbeiten und freut sich auf die Motorradwallfahrt

Wesel.  Der Erzbischof kommt mit dem Motorrad und alle staunen. Denn damit hatte kaum jemand gerechnet. Dabei ist das für Pierre Laurent Lompo aus Niamey in Niger eine Selbstverständlichkeit, auf einem solchen Zweirad herumzudüsen, einer Enduro aus Wesel. Strahlend nimmt er den Helm auf der Grav-Insel ab und stellt sich fürs Foto vor die bunt bemalte Wand. Sie zeigt das, was dem Geistlichen am Herzen liegt: den Brunnenbau in seinem westafrikanischen Heimatland. Denn Wasser ist nicht nur Leben, sauberes Wasser ist dort keine Selbstverständlichkeit.

Endlich sauberes Wasser

Aus diesem Grunde hat der Motorrad fahrende Erzbischof auf der Grav-Insel und darüber hinaus jede Menge Unterstützer. Durch den im Camperparadies am Rhein geborenen Verein „Wir helfen Kindern weltweit“ und die „Aktion pro Humanität“ mit Sitz in Kevelaer ist es gelungen, in den vergangenen zehn Jahren 26 Brunnen zu bauen, der 27. ist gerade in Arbeit.

Durch den Brunnenbau, dem umfangreiche geologische Gutachten vorausgehen, bekommen viele Menschen das, was sie dringend brauchen: sauberes Wasser. Ein Brunnen verschafft 25 000 Menschen dieses kostbare Gut. 50 Cent pro Person sind dafür nötig, wobei ein Brunnen etwa 20 Jahre lang für Nachschub aus der Tiefe sorgt.

50 Cent pro Woche, so stellt sich Frank Seibt vom Verein „Wir helfen Kindern weltweit“ das Spendenverhalten vor. Ein Betrag, der jedem möglich sein sollte. „Magma 50“ heißt deshalb die Aktion, die längst ihre Kreise gezogen hat. Magma steht für „Magisches Marmeladenglas“, nur dass in den Gläsern Geld statt Marmelade steckt und der Deckel eine Öffnung wie eine Spardose hat. 8000 solcher Gläser sind momentan im Umlauf. Ist ein solcher Behälter voll, kann der Inhalt entweder auf der Grav-Insel oder bei der Verbands-Sparkasse Wesel abgegeben werden - Gebühren fürs Kleingeldzählen werden dort nicht fällig. So hat es Frank Seibt mit dem Geldinstitut vereinbart.

Dr. Elke Kleuren-Schryvers von der „Aktion pro Humanität“ übersetzt das, was Pierre Laurent Lompo berichtet, aus dem Französischen. Dabei hat er erst kürzlich einen Deutschkurs in der Dingdener Akademie Klausenhof absolviert. Doch ganz so flüssig kommt ihm die fremde Sprache noch nicht über die Lippen, wenngleich er einiges gut zu verstehen scheint und ab und zu auch etwas auf Deutsch sagt.

Diesmal mussten die Brunnenbauer nicht so tief gehen, lediglich 55 bis 90 Meter. Bislang waren es meist 110 oder 120 Meter, weiß Frank Seibt, dessen Lebensgefährtin Tatjana Stillger die erste Vorsitzende des Vereins „Wir helfen Kindern weltweit“ ist.

Durchschnittlich 15000 Euro kostet ein Brunnen, die Entfernung zwischen zwei solcher Wasserstellen beträgt in der Regel 20, 25 Kilometer. Das Wasser von dort wird auch tatsächlich nur zum Trinken genutzt. Zum einen wäre es zum Wäschewaschen viel zu schade, zum anderen sind es die Frauen, die oft sehr weite Wege gehen müssen, um eine Schüssel Wasser für ihre Familie zu holen.

Längst zeichnet sich eine positive Entwicklung in Niger ab. Dort, wo die Brunnen sind, hat sich der Gesundheitszustand der Menschen enorm verbessert. Tödliche Infektionskrankheiten durch unsauberes Wasser sind deutlich zurückgegangen. Und: An den Brunnen gibt es keine Unterschiede. Christen, Moslems und Anhänger anderer Religionen holen sich friedlich das kostbare Gut. Ein Komitee wacht darüber, dass alles gut läuft und dass die umgerechnet drei Cent für eine Schüssel Wasser gezahlt werden. Sie fließen in die Rücklage für etwaige Reparaturen und Instandsetzungen.

Der Terrorgruppe Boko Haram, die bereits christliche Kirchen im benachbarten Nigeria anzündete und mordete, aber Anfang des Jahres auch im Niger angriff, möchte man mit Bildung und interreligiösem Dialog begegnen, sagt der 48 Jahre alte Erzbischof. Er selbst traf im Alter von sieben Jahren auf einen Misereor-Entwicklungshelfer. Adam Bucher aus Bamberg ermöglichte es ihm, die Schule zu besuchen und später zu studieren. Vor 15 Jahren reiste Pierre Laurent Lompo zum ersten Mal nach Deutschland, seither immer wieder.

Keine Frage, dass er sich schon auf die Motorradwallfahrt am Wochenende in Kevelaer freut. Als er das erste Mal dabei war, durfte er Sozius sein und das Kreuz halten, jetzt segnet er die Biker mit ihren Maschinen, und das ist auch für ihn ein ganz besonderes Ereignis...

 
 

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