Den Wald sehen, fühlen und bestaunen

Susanne Zimmermann
Oliver Gremme schnitzt eine Eule, die Kinder schauen fasziniert zu Foto: Pottgiesser. 
Oliver Gremme schnitzt eine Eule, die Kinder schauen fasziniert zu Foto: Pottgiesser. 
Foto: FUNKE Foto Services
Grundschüler erobern zwei Vormittage lang Wald und Natur im Rahmen des Grünen Klassenzimmers

Schermbeck.  Wie pflanzt man eigentlich Bäume in den Wald – das muss doch ewig dauern! Ne, geht ganz fix: Staunend beobachten Kinder der Hermann-Landwehr-Schule Brünen und der Otto-Pankok-Schule Drevenack, wie Michael Rohlf per Trecker eine Furche zieht und - zackzack - eine kleine Hainbuche nach der nächsten automatisch in die Erde setzt.

Eine Eule aus Holz

Es ist Vormittag im Schulwald der Hermann-Landwehr-Schule am Nottkamp, die RVR-Aktion Grünes Klassenzimmer steht auf dem Stundenplan. Die Kinder applaudieren, bevor es weitergeht zur nächsten Station, entlang des „Ameisenpfads“. Zwei Vormittage verbringen sie hier in der freien Natur, lernen den Wald und seine Tiere kennen und erfahren viel über Bäume.

Holz ist ein vielseitiges Material – damit lassen sich tolle Dinge anstellen. Olli Gremme vom RVR schnitzt, und zwar mit der Motorsäge. Was mag das sein? Eine Eule! „Boa!“ entfährt es einem Knirps – übersetzt ist das wohl höchste Anerkennung. Mit der lärmenden Säge arbeitet Gremme Federn heraus, zieht zierliche Linien in das weiche Holz. Der Vogel wird am Ende fast so groß wie eines der Kinder. Weiter geht’s zu Schüttelmemory und Baumstammpuzzle, eine Fühlkiste enthält unter anderem ein flauschiges Fuchsfell. Mit Feuereifer sind die Kinder bei der Sache. Förster Christoph Beemelmans geht von Station zu Station und schaut sich das Treiben an. Dass es wirkliche Tiere im Wald gibt, ist entlang des Weges unübersehbar: Wildschweine haben auf der Suche nach Leckereien den Boden durchpflügt. „Im Wald lieben wir die Sau“, sagt Beemelmans dazu – sie bereite den Boden vor, damit Baumsamen keimen können.

Ausgestopfte Marder und andere Tiere des Waldes warten bei der nächsten Station. Und ein lebendiger zotteliger Akteur mit feuchter Nase: Eine Steirische Rauhhaarbracke demonstriert den staunenden Kindern das Spurensuchen. Walter Baltes, zertifizierter Wildhüter, betreut die kleine Bande an dieser Station, ehrenamtlich für den RVR aktiv. „Man sieht kaum noch Leute mit Kindern im Wald“, sagt er. Umso mehr Spaß haben die Kleinen, wenn sie mit der Natur in Berührung kommen. „In dem Alter kann man sie noch faszinieren, sie wollen alles wissen“, sagt er. Die Grundschüler sollen die Natur begreifen und verstehen können. „Manchmal schleppen sie hinterher ihre Eltern in den Wald“, sagt Baltes und schmunzelt.

Echte Rehe

Plötzlich Aufregung. Als wüssten sie, was von ihnen erwartet wird, brechen zwei Rehe durchs Unterholz, nervös vom Gewusel im sonst so stillen Wald. Wer rechtzeitig geguckt hat, ist begeistert, andere fragen noch minutenlang „wo denn?“ Beim Imker erfahren die Kinder, dass heller Honig mehr Traubenzucker enthält als dunkler – der ist gut nach dem Sport oder morgens, um wach zu werden.

Zwei Tage voller Eindrücke. Eine aufwändige Aktion, aber sie lohnt sich: Kinder haben mit Hilfe des „Grünen Klassenzimmers“ den Wald für sich entdeckt.