„Das brennende Wesel ließen wir hinter uns“

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Wesel..  Es ist ein Bild, das Johanna, genannt Hanny, Hesper nie vergessen konnte: Der schwarze Pudel ihrer Familie, der nach den Bombenangriffen auf Wesel im Februar 1945 durch die Trümmer auf sie zugelaufen kommt, eine alte Herrenmütze in der Schnauze. „Wo er die her hatte, haben wir nie erfahren“, sagt die mittlerweile 95-Jährige. Und auch nicht, wo der Hund während der Angriffe gewesen war.

Denn als Hanny Hesper mit ihren Eltern und ihrer damals sechs Monate alten Tochter in einem Privatbunker am Nordglacis noch rechtzeitig Zuflucht fand, bevor die Bomben auf Wesel fielen, büxte der Familienhund aus. Dass sie das Tier noch einmal wiedersehen würde, daran hätte Hanny Hesper zu diesem Zeitpunkt nicht geglaubt.

Ein paar Habseligkeiten

„Es war so furchtbar“, beschreibt die 95-Jährige, die mittlerweile im Nikolaus-Stift lebt, das Bild, das sich ihr bot, als sie aus dem Privatbunker wieder herauskam. Ihr Vater habe das Allernötigste aus dem Haus der Familie am Glacis geholt. „Zumindest, was noch da war. Viel war das nicht mehr.“ Anschließend floh die Familie. „Das brennende Wesel ließen wir hinter uns“, sagt Hanny Hesper. Mit ihren Lieben kam sie auf einem Bauernhof in Hamminkeln unter.

Einige Tage später sah die damals 25-Jährige Wesel zum ersten Mal wieder. Sie und ihr Vater fuhren mit Fahrrädern von Hamminkeln in die völlig zerbombte Stadt, um zu sehen, ob noch etwas von den privaten Dingen der Familie zu retten war. „Ein paar Habseligkeiten vielleicht“, hätten sie gefunden, sagt sie. „Aber eigentlich war alles weg.“ Das Haus der Familie konnte nicht wieder aufgebaut werden.

Neun Jahre nach der Bombardierung kam Hanny Hesper zurück nach Wesel und zog ins Haus ihres Schwiegervaters an der Roonstraße. Bis dahin lebte sie in Hamminkeln erst auf einem kleinen, dann auf einem größeren Bauernhof. „Da habe ich viel auf dem Feld gearbeitet“, erinnert sie sich. „So bekamen wir wenigstens etwas Gutes zu essen.“

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