Das Berliner Tor ist das letzte Stadttor - aber es ist dicht

Das Berliner Berliner Tor.
Das Berliner Berliner Tor.
Foto: www.blossey.eu
Das Berliner Tor, einer der historischen Schätze und Wahrzeichen der Stadt, wird restauriert. Es ist das letzte einst vieler Stadttore. Aber hindurch gehen kann man nicht. Zu besonderen Anlässen soll das anders sein. Dann könnte altes Gemäuer in stimmungsvollem Licht erstrahlen.

Wesel..  Im als gastlich gepriesenen Wesel, sollte man meinen, stehen einem Tür und Tor offen. Vielfach ist das sicher der Fall, aber mit den Toren ist das so eine Sache. In alter Zeit konnte ein Besuch der Stadt ein „torreiches“ Erlebnis sein. Straßennamen erinnern noch daran. Doch heute steht - von Sportanlagen abgesehen - nur noch ein Tor: das Berliner Tor. Und man kann noch nicht einmal hindurch gehen. Bald doch wieder - zumindest ab und zu.

Die Zeiten haben sich geändert. Wesel erhält für die Betuwe-Linie Lärmschutzwände, ist aber nicht mehr von Mauern umgeben. Angesichts des freien Zugangs und weil keine Zölle mehr erhoben werden, braucht es keine Stadttore wie einst im Mittelalter. Dennoch gibt es Punkte in der Stadt, die quasi Torcharakter haben - die Stellen, an denen man, von außerhalb kommend, erkennt: Hier beginnt der Stadtkern. Manchmal markieren alte oder auch neue Gebäude diese Punkte, rahmen sie ein wie die Pfosten eines Tores.

Der Reisende geht direkt darauf zu

Wer vom Bahnhof kommt, dem öffnet sich ein solches Tor an der Wilhelmstraße. Sie führt als allee-artige schnurgerade Achse hinein in die Innenstadt. Und trifft auf die Stelle, an der vor 300 Jahren das Berliner Tor als Tor zur Stadt errichtet wurde.

Es hat seither vieles erlebt, sollte nach dem Krieg gar gesprengt werden. Um es herum bewegte sich manches, auch mal Autos im Kreis. Aber warum kann man nicht durchs Tor hindurch, warum ist es dicht?

Man könne solche Orte heute nicht mehr öffnen, lautet die Antwort der Stadtverwaltung. Im Nu würde sich, wie schon geschehen, Müll dort ansammeln, würde der Tordurchgang als öffentliche Toilette missbraucht und sei dann für andere nicht mehr zu nutzen. Aber dass das Torgewölbe in den nächsten rund sechs Wochen für über 100 000 Euro restauriert wird, dient der Denkmalerhaltung. Der Putz bröckelt, und er wird nicht erneuert. Statt der aufgemalten Ziegel sollen die echten wieder zu sehen sein, und dann wird das Gewölbe „Geschichte atmen“. Und dann wird es auch als stimmungsvoller historischer Ort dienen: Zu bestimmten Anlässen wie dem Hansefest, aber auch bei historischen Stadtführungen solle das Gitter darin aufgeschlossen werden, sagt Anita Timmreck, die im Rathaus für städtische Gebäude zuständig ist. Mobile Strahler könnten das Berliner Tor bei solchen Gelegenheiten in ein effektvolles Licht rücken.

 
 

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