Damit die Vergangenheit nicht vergessen ist

Erwin Kohl
Foto: WAZ Fotopool

Hamminkeln.  Über Generationen lebte die jüdische Familie Humberg im Haus an der Hohen Straße in Dingden, bis sie im Jahre 1941 von den Nationalsozialisten aufgefordert wurde, dass Dorf zu verlassen. Es war der Beginn einer Odyssee, in deren Verlauf vier Geschwister von Leopold Humberg in Konzentrationslagern ermordet wurden. Im Jahre 2012 hat der Heimatverein Dingden das Gebäude als „Geschichtsort Humberghaus“ geöffnet. Zahlreiche Führungen und Veranstaltungen machen seitdem auf das Leben der jüdischen Metzgerfamilie aufmerksam. Ein bisheriger Höhepunkt war am Freitag ein Open Air-Kino im Garten des Humberghauses.

Ein besonderer Ort

Die Film- und Medienstiftung NRW zeigte mit dem Heimatverein im Rahmen ihrer Reihe „FilmSchauPlätze“ den Kurzfilm „Die Bergfrau“, sowie die Premiere des Spielfilms „Landauer“. Dabei handelt es sich um die Lebensgeschichte des Juden Kurt Landauer (gespielt von Josef Bierbichler), der bis kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und von 1947 bis 1951 Präsident des FC Bayern München war.

Für Anna Fandl, Organisationsleiterin der Filmförderung NRW, gab es selten einen treffenderen Zusammenhang zwischen Film und Ort: „Ich habe das Humberghaus besucht und sofort gewusst: das passt ideal zusammen.“ Die filmische Auseinandersetzung mit dem für viele bedrückenden Thema Antisemitismus verfolgten mehr als 500 Menschen. Unter ihnen waren neben Produktionsleiter Daniel Manns, Drehbuchautor Dirk Kämper und rund zwanzig Komparsen auch viele Dingdener.

Erinnerungen

Hedwig Maibom kennt die Familie Humberg aus ihrer Kindheit. „Ich kann mich erinnern, dass wir dort Rindfleisch gekauft haben. Das waren ganz liebe Menschen. Wenn jemand kein Geld hatte, haben sie das Fleisch auch mal verschenkt“, erinnert sie sich. „Alle im Ort haben sie gemocht. Es gab Dingdener, die sie unter Einsatz ihres Lebens versteckt haben“, erzählte Helmut Wiedenbrück. Seine Stimme klingt nach Wut und Ohnmacht. Stunden vor Beginn des Films diskutierten überall auf dem Gelände Menschen über die Gräueltaten der Nazis.

Für eine Überraschung sorgte der Heimatverein vor Beginn des Hauptfilms: Per Internet brachte er die in Kanada lebende Ruth Muscovitch auf die Leinwand. Die Tochter Leopold Humbergs erzählte, dass ihr Vater wenige Tage vor ihrer Geburt und der anschließenden abenteuerlichen Flucht über Holland und England mit dem Fahrrad aus dem Dorf geflüchtet war und später zurückgekehrt sei. „Es gibt also Parallelen zum Film“, stellte sie fest.