Cihan Sarica: „Ich kann mithalten“

Susanne Storck
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Wesel. „Wenn man Farben mischt, kommt ein schönes Bild dabei heraus.“ So drückt Cihan Sarica aus, was die Annäherung, das Zusammenspiel der Kulturen bewirken kann. Der 44-Jährige mit türkischen Wurzeln ist der neue Vorsitzende des Integrationsrates in Wesel.

Welche Ziele haben Sie sich auf die Fahnen geschrieben?

Cihan Sarica: Ich möchte mit alten und neuen Freunden sprechen - mit den Mitgliedern des Integrationsrates, den Parteien und Migrantenorganisationen. Es geht nicht darum, nur zu klagen: ,Wir werden benachteiligt’, sondern wir müssen gestalten. Migranten, egal welcher Nationalität, müssen in die Stadtteilarbeit einbezogen werden. Und wir wollen uns stark machen für mehr Rechte für Migranten ohne deutschen Pass, die seit 40 Jahren und länger hier ackern.

Das Ergebnis der Integrationsrats-Wahl war mit nur 14 Prozent Wahlbeteiligung sehr schlecht. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Da spielte vor allem die persönliche Abneigung gegen einzelne Kandidaten eine Rolle. Etliche haben noch nicht verstanden, dass das, was wir machen, ein Mannschaftsspiel ist, kein Alleingang. Das ist unsere Schwäche, das müssen wir ändern.

Was bedeutet Integration für Sie?

Da, wo ich bin, mich anzupassen und mit beiden Kulturen zu leben - mit Respekt und Toleranz.Sprache spielt dabei eine große Rolle, Sprache verbindet.

Ohne unhöflich sein zu wollen: Sie leben seit 1975 in Deutschland, warum sprechen Sie noch so schlecht Deutsch?

Es ist wirklich schade, dass mein Wortschatz nicht so groß ist. Ich ging in die Hansaringschule, da hatte ich viele türkische Mitschüler und auch Lehrer. Wir sprachen vielTürkisch. Meine Eltern kamen 1972 aus einem kleinen Dorf nach Deutschland, die hatten damals einfach nicht viel mit Bildung am Hut.

Das schwächt Ihre Vorbild-Funktion, die ja mit ihrem Ehrenamt verbunden ist.

Nein, das sehe ich nicht so. Durch meine Lebenserfahrung gleiche ich vieles aus. „Ich tanze mit“, obwohl ich meine Schwäche habe. Ich bin ein Kämpfer, ich kann mithalten. Ich will auf jeden Fall Vorbild für Jugendliche sein.

Und wenn die sagen: ,Ey Alter, lern’ erst mal Deutsch’, was machen Sie dann?

Dann lerne ich. Ich nehme zwar keine Deutschstunden, dafür reicht einfach die Zeit nicht. Aber ich höre zu, formuliere kurz und knapp, lese viel, auch deutsche Autoren, politische Biografien. Ob ich der Sprache mächtig bin oder ob ich da schwach bin: Es kommt auf Glaubwürdigkeit an und auf Vertrauen.

Unter den zehn gewählten Mitgliedern des Integrationsrates ist nur eine Frau. Ist das ein Männerclub?

Nein. Das sollte nicht so sein. Fraueninteressen sollen nicht vergessen werden. Wir hatten drei weitere Frauen angesprochen zu kandidieren, aber die sagten letztendlich ab.

In Ihrer kurzen Antrittsrede formulierten Sie, nicht allein herrschen zu wollen. Herrschen?

Damit meine ich nicht: „Das ist ein Gremium, ich bin Vorsitzender, das war’s Jungs, das mache ich allein.“ Nein, das war überspitzt. Richtig ist: Wir sitzen in einem Boot und müssen zusammen ans Ufer kommen.