Brandanschlag auf Moschee in Wesel

Einsatz für die Polizei am Samstagabend. Auf das Gebäude des Türkisch-islamischen Kulturvereins wurden ein oder mehrere Brandsätze geschleudert.
Einsatz für die Polizei am Samstagabend. Auf das Gebäude des Türkisch-islamischen Kulturvereins wurden ein oder mehrere Brandsätze geschleudert.
Foto: Martin Möller
  • Ein oder mehrere Täter schleuderten Molotow-Cocktail gegen Fassade des Kulturvereins
  • Brandsatz loderte auf dem Gehweg und wurde dort von einer Zeugin gelöscht
  • Menschen kamen nicht zu Schaden. Zum Zeitpunkt der Tat hielt sich niemand in dem Gebäude auf

Wesel. Der Schreck war riesig. Unbekannte Täter haben in der Nacht zu Sonntag versucht, einen Brandanschlag auf die DITIP-Moschee des Türkisch-Islamischen Kulturvereins an der Caspar-Baur-Straße zu verüben. Zeugenberichten zufolge warfen sie einen oder auch mehrere Molotow-Cocktails gegen das Gebäude, die aber gegen die Fassade prallten und keinen weiteren Schaden anrichteten. Menschen wurden bei der Tat nicht verletzt. Ein Brandsatz loderte auf dem Gehweg, wo er von einer beherzten Zeugin gelöscht wurde. Der Staatsschutz in Duisburg, hieß es seitens der Weseler Polizei, habe die Ermittlungen übernommen. Neue Erkenntnisse gab es bis zum gestrigen Abend nicht.

Die oberen Etagen sind bewohnt

Im Erdgeschoss des Gebäudes an der Caspar-Baur-Straße 17 ist der Diyanet-Kulturverein ansässig, die oberen Etagen werden bewohnt. Das letzte Gebet der Gläubigen lag zum Zeitpunkt der Tat bereits einige Stunden zurück. Als der Anschlag verübt wurde, befanden sich keine Personen in den Räumen des Vereins.

Die Tat ereignete sich laut Polizei gegen 22.40 Uhr. Cihan Sarica, Vize-Vorsitzender des Integrationsrates der Stadt, war vor Ort. Kurz nach dem Vorfall habe er einen Anruf von einem Mitglied der Türkisch-Islamischen Gemeinde erhalten und sich daraufhin gleich zur Caspar-Baur-Straße begeben, sagte er. Zeugen, die zum Zeitpunkt des Anschlags ihren Hund ausführten, hätten mindestens drei Täter weglaufen sehen, erfuhr er dort. Das Gelände des Kulturvereins ist mit einer Videokamera gesichert, auf der ersten Erkenntnissen zufolge aber nichts zu erkennen war.

Cihan Sarica klang am Sonntag deutlich schockiert. Er verweist auf ähnliche Vorfälle, die sich in der letzten Zeit in anderen Städten ereignet hatten. Zuletzt hatten Täter den Neubau einer DITIP-Moschee in Hamm mit Hakenkreuzen und islamfeindlichen Parolen beschmiert. Unter anderem wurde an die Wände der Satz „Lieber Nazi als Moslem“ geschrieben. Die muslimische Bevölkerung in Wesel sei aufgrund der Vorfälle sehr aufgebracht und jetzt erst recht alarmiert, sagte Sarica. Er fordert von der Politik mehr Rückendeckung gegen Rechtsradikalismus. Es werde viel geredet, passieren würde aber nichts. „Lippenbekenntnisse reichen nicht mehr.“