Blumenkamper wehren sich gegen Dichtigkeitsprüfung

Es wollten sich mehr Blumenkamper informieren als der Saal fassen kann. Es gibt eine Wiederholung am Montag.
Es wollten sich mehr Blumenkamper informieren als der Saal fassen kann. Es gibt eine Wiederholung am Montag.
Foto: Heiko Kempken/WAZ FotoPool
Initiative wurde gegründet. Emotionen beherrschten Info-Abend. Für Betroffene blieben viele Fragen offen.

Wesel..  Rund 3000 Weseler Grundstücke liegen in Wasserschutzzonen. Jeweils ein Drittel davon in Blumenkamp, in Obrighoven und Ginderich. Deren Eigentümer müssen sich nun mit dem so genannten Kanal-TÜV auseinandersetzen, der für sie viele Fragen aufwirft. Der Saal der Gaststätte Pollmann konnte die vielen Menschen nicht aufnehmen, die sich von der Versammlung des Blumenkamper Bürgervereins zu der Thematik am Donnerstag Antworten erhofften. Etliche kehrten um. Andere blieben und gründeten eine Bürgerinitiative mit.

Wer ist betroffen?

Eigentümer, deren Häuser vor Januar 1965 erbaut sind, müssen die Dichtigkeitsprüfung bis zum 31. Dezember 2015 prüfen lassen, die übrigen haben Zeit bis 2020, erläuterte Kämmerer Paul-Georg Fritz. In Blumenkamp gibt es 30 Häuser, die vor 1965 erbaut wurden. Peter Boots von den Stadtwerken teilte mit, dass der Versorger die Kanalbefahrung übernehmen kann und Bürger kostenlos berät. Kämmerer Fritz lud dazu ein, die Verwaltung um Rat zu bitten.

„Ich bin vor einer Woche eingezogen“, sagt Besucher Zhu Zhiyuan. „Ich muss die Prüfung bis 2015 machen lassen.“ Das sei teuer, aber eben Gesetz, bedauert der Neu-Blumenkamper schulterzuckend. Ein Großteil der Teilnehmer an diesem Abend will Informationen, andere nutzen die Gelegenheit, ihrem Unmut über das Gesetz Luft zu machen – da schlagen die Emotionen hoch. Obwohl kein Adressat für die Vorwürfe im Raum ist: Verwaltung und Fraktionen haben das Gesetz nicht gemacht, der SPD-Landtagsabgeordnete Norbert Meesters hat eine Sitzung im Landtag.

Uwe Gellrich vom Vorstand der Bürgerinitiative „Alles dicht in NRW“ wettert gegen Ministerpräsidentin Kraft und Umweltminister Remmel. Es fehle der Nachweis, dass das Grundwasser durch Abwässer belastet werde, eine Untersuchung dazu bringe erst 2018 Ergebnisse. Dem Grünen Ulrich Gorris nimmt er kurzerhand das Mikro weg: „Keiner will hier Ihr Gesabbel hören.“ Ein älterer Blumenkamper, der sich für die Prüfung entschieden hat, wird kurzerhand abgewürgt.

„Ich bin überrascht, dass das hier eher eine politische Diskussion ist“, meint Joachim Sartoris. „Ich hatte mir Fakten, Klartext, ein wenig Material und Anregungen versprochen.“ Dennoch kommt er zu dem Schluss: „Es lohnt sich, dagegen vorzugehen.“ Jürgen Vetter hatte herausfinden wollen, welche Straßen betroffen sind, ansonsten sei er gut informiert. Er ist nicht gegen die Dichtheitsprüfung: „Ich sehe nur nicht ein, warum ich dafür bezahlen soll“. Was alle gleichermaßen auf die Palme bringt: Warum dürfen Landwirte im großen Stil Gülle aufbringen und bei uns sind angeblich undichte Rohre eine Gefahr für das Grundwasser?

Fortsetzung auf Seite 2

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