„Blumenkamp ist wach“

Probten schon mal für das Stadtteilfest: Die Organisatoren laden am 13. Juli zu „Blumenkamp an einer Tafel“ ein.
Probten schon mal für das Stadtteilfest: Die Organisatoren laden am 13. Juli zu „Blumenkamp an einer Tafel“ ein.
Foto: Peggy Mendel
Bürger tauschten sich mit der Weseler Verwaltung über die Entwicklung des Ortsteils aus. Jetzt soll eine Analyse erstellt werden. Nächstes Treffen im Herbst

Wesel..  „Blumenkamp ist jetzt wach“ – das ist die Botschaft, die am Dienstagabend im Ratssaal angekommen ist. Dort traf sich erstmalig die Initiative „Wir sind Blumenkamp“, ein Zusammenschluss der Blumenkamper Vielfalt (Gewerbetreibende) und der Blumenkamper Bürger mit Vertretern der Stadtverwaltung, um über die Entwicklung des Ortsteils zu reden. Es ging weniger um Entscheidungen, sondern darum, die Probleme zu benennen. Nun soll ein Student der Hochschule für Ökonomie und Management (FOM) im Rahmen seiner Abschlussarbeit eine Analyse des Ortsteils erstellen. Ergebnisse werden im Herbst erwartet. „Wir werden am Ball bleiben“, verspricht Thomas Kolkmann, der die Veranstaltung am Dienstagabend moderiert hat. Die Diskussionspunkte im Überblick:


Nahversorgung

Die Perspektive, dass sich ein Lebensmittelmarkt in Blumenkamp ansiedelt, betrachteten sie Anwesenden mehrheitlich als unwahrscheinlich. Laut Bürgermeisterin Ulrike Westkamp gibt es eine Faustformel, nach der sich Lebensmittelhändler nicht in einem Ortsteil ansiedeln, in dem weniger als 5000 Menschen leben. In Blumenkamp leben derzeit 2799 Personen, so die Bürgermeisterin. Zum Vergleich: 1990 waren es noch 3114 Menschen. Die Stadt habe sich um Lebensmittelhändler bemüht, auch um einen türkischen Einzelhändler. „Das ist aus unterschiedlichen Gründen abgelehnt worden“, meinte Westkamp.

Einen Hoffnungsschimmer sieht die Bürgermeisterin aber dennoch: In einigen Großstädten werden hier und da wieder kleinere Geschäfte eröffnet. Sie hofft, dass dieser Trend auch nach Wesel gelangt. Positiv sahen die Anwesenden die Ansiedlung des neuen Bäckers, der auch ein paar Dinge für den täglichen Gebrauch im Angebot hat. Ebenso lobend wurde der Wochenmarkt erwähnt. „Aber er muss auch genutzt werden“, appellierte ein Anwesender an die Blumenkamper.


Anbindung an andere Stadtteile

Hamminkeln, Lackhausen oder Feldmark – das sind die Orte, die viele Blumenkamper aufsuchen, um ihre Einkäufe zu erledigen. Doch die Fahrt dorthin ist für viele ein Ärgernis, weil sie Umwege in Kauf nehmen müssten. Sie würden gern den Hessenweg nutzen, der seit einigen Jahren aber eine Anliegerstraße ist. Doch die Chancen stehen eher schlecht, so der Tenor der Veranstaltung. Die grundsätzlich Frage aber sei, ob es Sinn macht, dass die Stadtteile weiter zusammenwachsen. „Je attraktiver die Zuwegung wird, desto mehr zieht es die Blumenkamper weg“, meinte Ludger Hovest (SPD) dazu.


Baugebiete

Sollten an den Außengrenzen Blumenkamps weitere Baugebiete ausgewiesen werden, müsste laut Michael Klessa vom Fachbereich Stadtentwicklung, der Flächennutzungsplan geändert werden. Prinzipiell, so gibt er zu Bedenken, gibt es in Wesel aber kein weiteres Bauland. Kämen neue Flächen hinzu, müsste an anderer Stelle Bauland aufgegeben werden.

Dennoch sind Bebauungen in Blumenkamp möglich. So gibt es ein Grundstück, das dem Evangelischen Kinderheim gehört. Zur Hälfte ist es bereits bebaut, der zweite Teil könnte ebenfalls genutzt werden. „So könnte man das Zentrum zur Hermann-Hesse-Straße weiter ausbauen“, sagt Thomas Kolkmann. Im Gespräch sind auch Pläne, in Kooperation mit „Inge“ (In Gemeinschaft leben) auf dem Gelände der Arche ein Mehrgenerationenwohnen einzurichten. Außerdem sind in Blumenkamp einige Grundstücke in privatem Besitz, die noch nicht bebaut worden sind. Nach Einschätzung von Klessa könnten so rund 20 weitere Wohneinheiten entstehen.

Kindergarten/Schule

Derzeit leben 96 Kinder im Alter von bis zu fünf Jahren in Blumenkamp, im Jahr 2000 waren es 164. Der katholische Kindergarten verfügt über 70 Betreuungsplätze, davon sind sechs Plätze für unter Dreijährige vorgesehen. Die Kita gelte laut Dezernent Dirk Haarmann als „attraktive Einrichtung“, die auch von Eltern aus anderen Ortsteilen genutzt werde. Fazit: Die 70 Plätze können auch in den nächsten Jahren gut gefüllt werden. Gleiches gilt für die Grundschule. Im aktuellen ersten Schuljahr gibt es 28 Aufnahmen, 19 Kinder davon stammen aus Blumenkamp. Im Jahr 2014 werden 14 Blumenkamper Kinder schulpflichtig, 2015: 19, 2016: 20, 2017: 13. „Wir werden von einer soliden Klassenstärke ausgehen können, so dass die Schule bisher nicht in ihrem Bestand gefährdet ist“, meinte Haarmann.


Wahlkreis

Einige Blumenkamper bemängeln, dass sie zum Wählen bis ins Schulzentrum in die Feldmark müssten, weil die Anwohner des südlichen Teils Blumenkamps zum Wahlkreis 5 gehörten. Sie wünschen sich ein weiteres Wahllokal in Blumenkamp selbst, um nicht in die Feldmark zu müssen.

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