Bewusstsein schaffen für die Betuwe-Folgen

Der Planungsausschuss des Regionalverbandes Ruhr (RVR) informierte sich am Bahnübergang in  Mehrhoog direkt über die Folgen der Betuwe-Linie.
Der Planungsausschuss des Regionalverbandes Ruhr (RVR) informierte sich am Bahnübergang in Mehrhoog direkt über die Folgen der Betuwe-Linie.
Foto: WAZ FotoPool

Hamminkeln.  Vor Ort wollte Hamminkelns Bürgermeister Holger Schlierf dem RVR-Planungsausschuss demonstrieren, wie es ist, „wenn ein Güterzug von 750 Metern Länge in einer Lautstärke von über 90 Dezibel an einem vorbeirauscht“.

Doch diese Präsentation am Bahnhof in Mehrhoog durchkreuzte die Deutsche Bahn. Zwar gab’s einen Güterzug zu sehen, aber statt durchzurattern, blieb er an den Gleisen stehen - übrigens ohne dass sich die Schranken am Bahnübergang senkten. Ihm sei mitgeteilt worden, dass ein Übergang im weiteren Verlauf der Strecke nicht funktioniere. Deshalb müsse er nun von Übergang zu Übergang fahren, so der Zugführer.

Doch auch ohne dieses Erlebnis war den Mitgliedern des Planungsausschusses beim Regionalverband Ruhr (RVR) sehr bewusst geworden, wovon Bürgermeister Schlierf zu Beginn der Sitzung im Hamminkelner Rathaus gesprochen hatte. Weniger als Hausherr, sondern vielmehr als Sprecher des interkommunalen Arbeitskreises Betuwe zeichnete er für die Gäste das Bild, das sich den Bürger in den betroffenen Städten und Gemeinden in Zukunft bieten wird. Heute fahren etwa 140 Züge täglich, an einzelnen Tagen sind es auch 190, nach der Blockverdichtung werden es 293, beim dritten Gleis 388 und mit spezieller Technik sogar 599 Züge sein, rechnete Schlierf vor. „Die Bahnübergänge werden bis zur Fertigstellung zu Prellböcken werden“, prognostizierte er angesichts von langen Wartezeiten vor den geschlossenen Schranken. 40 bis 50 Minuten könnten es sein. „Wir wissen nicht, wie wir damit umgehen müssen“. Einen juristischen Anspruch auf Öffnungszeiten gibt es nicht.

Zeit haben auch die Kommunen aus einem anderen Grund nicht. Zwar gelte die Finanzierungsvereinbarung als gesichert, nach der das Land die verbleibenden 25 Prozent übernimmt, doch das so genannte Entflechtungsgesetz ende 2019. „Damit sind alle Förderzusagen aufgehoben“, warnte Schlierf, um sofort aufzuzählen, dass allein mit einer kalkulierten Bauzeit von fünf bis sieben Jahren dieser Zeitraum bereits erreicht wäre, ganz unabhängig von den zunächst erforderlichen Planfeststellungsverfahren.

Appell und Kritik

Dass sich die Kommunen hierbei Unterstützung vom RVR erhoffen, machte Schlierf vor dem Ausschuss deutlich. Städtebauliche Gesichtspunkte wie meterhohe Lärmschutzwände oder die Troglage in Mehrhoog, die von der Bahn rundweg abgelehnt wird, sind weitere Aspekte, die er ansprach. „Wir sind gut im Thema“, versicherte Ausschussvorsitzender Bernd Tischler (SPD).

Udo Bovenkerk (CDU) appellierte an das Gremium „Mehrhoog nicht im Stau stehen zu lassen“. Er wies außerdem auf die teilende Wirkung der Lärmschutzwände hin. Ein Stichwort, das Claudia Leiße (Grüne) aufnahm. „Sollen denn Krankenwagen durch Hubschrauber ersetzt werden?“, lautete ihre rhetorische Frage. Sie kritisierte eine „menschenverachtende Einstellung“ der Bahn.

 
 

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