Betuwe- taub für die Argumente der Feuerwehren

In Rotterdam trainieren die Löschkräfte den Umgang mit Bahnunfällen. Sie wissen, dass der Betuwe-Ausbau unzureichend ist, stoßen aber auf taube Ohren.
In Rotterdam trainieren die Löschkräfte den Umgang mit Bahnunfällen. Sie wissen, dass der Betuwe-Ausbau unzureichend ist, stoßen aber auf taube Ohren.
Foto: NRZ
WeselsFeuerwehrchef Thomas Verbeet und seine Kollegen verzweifeln an der Betuwe-Planung. Alle Argumente perlen an Eisenbahnbundesamt und Deutscher Bahn ab. Im Ernstfall können die Retter wenig tun

Wesel..  Was die Bahn „Dialog“ nennt, ist für Feuerwehrchef Thomas Verbeet und seine Kollegen in den Betuwe-Anrainerkommunen ein rotes Tuch. „Ziel ist es, nichts zu tun. Wir haben nichts erreicht“. Die Streitpunkte sind nicht neu und dennoch brandaktuell: 96 ausreichend breite Rettungstüren fordern die Feuerwehren, sechs bis acht sind geplant, 1,60 Meter breit statt der geforderten 2,50 Meter. Durch eine solche Rettungstür müssten im Ernstfall die Schläuche geführt werden, Feuerwehrleute müssen mit technischem Gerät an die Trasse, andere hinaus, unter Umständen mit Krankentragen.

Lange Wege, kein Wasser

Alle 200 Meter wäre zudem ein Hydrant nötig, denn die Schläuche sind nicht lang genug. Ja, man kann die Stücke aneinander koppeln. Doch das dauert. „Wenn ein Kesselwagen brennt, haben wir 15 Minuten, bis er gekühlt werden muss“, sagt Verbeet, „sonst platzt er auf wie eine Bratwurst“. Das bedeutet: 6000 Liter Wasser pro Minute müssen auf das Fahrzeug niedergehen. Doch an den Schienen gibt es keine Hydranten. Und: In Wesel leben viele Menschen entlang der Trasse.

Nur einige von vielen Punkten. Lärmschutzwände, wie sie geplant sind, erschweren die Arbeit zusätzlich. „Wir können nichtmal sehen, wo der Zug steht“, verdeutlicht Verbeet. Ein Sichtband ist eine weitere Forderung, zur Orientierung.

Was die Feuerwehren ärgert: Jeder Privatmann muss zum Teil kostspielige Brandschutzmaßnahmen hinnehmen, jeder Betrieb, der mit gefährlichen Gütern arbeitet, muss ausreichend Löschwasser zur Verfügung stellen und die Infrastruktur für einen Notfall bereithalten.

„Das Eisenbahnbundesamt stellt sich auf den Standpunkt: Wir bauen eine Eisenbahnstrecke“, sagt Verbeet. Welche Güter darauf fahren, darauf habe man keinen Einfluss. Dabei zeigen die Niederländer, wie es geht: Türen im Abstand von 100 bis 200 Metern, besonders effektiver, niedriger Lärmschutz mit Löchern für die Schläuche darin, Treppen an Hanglagen, Rampen. „Beim Zwei-Milliarden-Projekt sind die 40 Millionen, die unsere Forderungen kosten würden, nichts“, so Verbeet. Hans-Ulrich Krüger, SPD-Mitglied im Haushaltsausschuss des Bundestages, habe ihm das bestätigt, Bundesumweltministerin Barbara Hendricks wolle das Gespräch mit Bahnchef Grube suchen.

Doch Eisenbahnbundesamt und Bahn wollen offensichtlich keinen kostspieligen Präzedenzfall schaffen, auf allen Gleisen würden schließlich irgendwelche Güter transportiert. Die Feuerwehren sehen sich unter diesen Bedingungen nicht in der Lage, zu retten.

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